Die ATM-World´94 war eine von den Firmen
DATACOM-VERLAG, Bergheim und HiLAN GmbH, Karlsruhe organisierte Gemeinschaftsveranstaltung von 28 Herstellern und Distributoren von ATM-Komponenten und -Dienstleistungen. Auf einem 350 Quadratmeter großen Messestand
wurde das bisher komplexeste und heterogenste ATM-Netzwerk der Welt aufgebaut. Dem Messebesucher wurde ermöglicht, den Stand der ATM-Technik und die verfügbaren ATM-Produkte konzentriert auf einem Messestand zu erleben.
ATM-Kopplungssysteme von 22 verschiedenen Herstellern bildeten ein gemeinsames ATM-Netzwerk mit einer Gesamtübertragungskapazität von über 6.000 Mbit/s zur Vermittlung von Videokonferenzen und multimedialen
Informationen.
Alle Erwartungen wurden erfüllt
Die ATM-World´94 hat die an sie gestellten Erwartungen voll erfüllt:
Es wurde gezeigt, daß ATM-Technologie bereits heute von vielen Firmen in
verschiedenen Varianten angeboten wird und daß zwischen ATM-Produkten verschiedener Hersteller kommuniziert werden kann. Der ATM-World-Besucher konnte sich davon überzeugen, daß alle Bereiche der Kommunikationsindustrie
auf die ATM-Technologie setzen. So konnte man auf der ATM-World Router und Hubs mit ATM-Interfaces, ATM-Adapter für Endgeräte, ATM-Analysatoren und selbstverständlich ATM-Switches begutachten. Gerade die ausgestellten
ATM-Switches ließen erkennen, daß mit ATM zum ersten Mal in der Kommunikationsgeschichte eine Technologie angeboten wird, die Anbieter von lokalen und öffentlichen Netzkomponenten vereint: da gibt es kleine handliche
ATM-Switches mit Anschlußmöglichkeiten an herkömmliche lokale Netze im nur 1 HE (etwa 4,5 cm) hohen 19"-Gehäuse aber auch gewaltige Switches in der Größe von Schaltschränken für den Einsatz in öffentlichen Netzen.
Willkommene Plattform
Sehr viele Netzwerkplaner, Netzwerkstrategen, Unternehmensberater und Technikinteressierte haben die ATM-World´94 als eine willkommene Plattform genutzt, um über die moderne und
vielversprechende ATM-Technologie zu diskutieren, was bei etwa 50 ständig anwesenden Fachleuten der einzelnen Aussteller kein Problem war. Daß das Interesse an ATM immens ist, wurde dadurch untermauert, daß
Korrespondenten und Redakteure fast aller Computer- und Netzwerkzeitschriften und vieler Wirtschaftszeitungen vor Ort waren, um Informationen über ATM zu sammeln. An Nachberichten über ATM und die ATM-World dürfte es
somit in den Wochen nach der CeBIT´94 nicht mangeln. Auch DATACOM hatte sich auf die Fahne geschrieben, den ATM-Wissensdurst zu stillen, und bot auf der ATM-World die erforderliche Lektüre und das eigens zur
ATM-World´94 erschienene Video "ATM-Spotlights" an, das Auskunft über die ATM-Produkte mehrerer Hersteller gibt.
Selbst für die Aussteller war die ATM-World´94 eine sehr wichtige und interessante
Veranstaltung, nicht nur deshalb, weil man Kontakt zu vielen ATM-Interessierten bekam und die aktuellen Wünsche und Anforderungen der Anwender erfuhr, sondern auch, weil man den Stand der Entwicklungen des Mitbewerbs
hautnah mitbekam und mit Firmenvertretern und Entwicklern anderer Hersteller von ATM-Produkten diskutieren und die neuesten Erfahrungen austauschen konnte. Überhaupt war das Verhältnis zwischen den Ausstellern
harmonisch und von Hilfsbereitschaft gezeichnet. Von einer Wettbewerbssituation war nichts zu spüren. Die Aussteller hielten sich an die Prämisse, in erster Linie die Vorteile von ATM und die mögliche Interoperabilität
zu demonstrieren und erst in zweiter Linie auf Kundenfang zu gehen.
Diese Einstellung ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen einer solchen Veranstaltung. Ein derart heterogenes Netz kann nur funktionieren,
wenn jeder Beteiligte mit anpackt.
Verkabelung
Was die Verkabelung betrifft, so wurde ein großes Spektrum verfügbarer Übertragungsvaianten gezeigt: begonnen von E3/DS3-Verbindungen über Koaxkabel
mit Bandbreiten von 34 bzw. 45 Mbit/s über TAXI- und SDH/SONET-Verbindungen über Glasfaserstrecken mit 100 bzw. 155 Mbit/s bis hin zu Anschlußmöglichkeiten an das Breitband-ISDN über 75 Ohm-Koaxkabel mit 155 Mbit/s
(SDH/STM1) war alles vertreten. Da diese Vielfalt an Übertragungs- und Steckervarianten selbstverständlich noch nicht von jedem der ausgestellten ATM-Geräte unterstützt wurde und sich die ausgestellten Geräte auch
bezüglich der Menge des unterstützten VCI/VPI-Adressraums unterschieden, war die Planung der Verkabelung eine der zentralen Herausforderungen an die Organisatoren der ATM-World. Es hat sich gezeigt, daß die
Anforderungen an die Flexibilität und Bedienbarkeit eines derart heterogenen Netzwerks nur dann erfüllt werden können, wenn eine strukturierte Verkabelung mit zentralem Schaltschrank zur Verfügung steht und genügend
Kabelkanäle vorhanden sind, um fehlende Kabel schnell nachziehen zu können.
Eine flexible Verkabelungsstruktur ist für eine Veranstaltung wie die ATM-World auch deshalb wichtig, weil sich die Aussteller immer gerne
die Option offenhalten möchten, noch im letzten Moment die neuesten Entwicklungsfreigaben in die ausgestellten Geräte integrieren zu können. Durch entsprechenden Einsatz von Mitarbeitern des EANTC, der Firma HiLAN und
einigen anderen Ausstellern sowie der Bereitschaft der Firma Fleischhauer, noch in letzter Minute fehlende Kabel zu konfektionieren und anzuliefern, wurde auch diese Hürde rechtzeitig bis zum Messebeginn bewältigt.
Die Verbindung der Switches wurde auf dieser ersten ATM-World mit permanenten Verbindungen realisiert (PVC - Permanent Virtual Circuit) obwohl viele Switches auch bereits die flexibleren SVCs (Switched Virtual Circuits)
unterstützen. Grund dafür ist, daß die technischen Voraussetzungen zur Teilnahme an der ATM-World´94 und damit die Schnittmenge der bereitzustellenden Funktionen aller Switches bereits im September 1993 definiert
wurden. Zu diesem Zeitpunkt lag die ATM-Forum-Spezifikation UNI 3.0 noch nicht vor, die Vorschläge zur Signalisierung und zum Verbindungsauf- und -abbau in ATM-Netzen gibt. Auf der nächsten ATM-World wird dies sicher
anders sein. Voraussichtlich wird es dann möglich sein, daß auf Anforderung ATM-Verbindungen zwischen beliebigen ATM-World-Teilnehmern, also zwischen ATM-Geräten verschiedener Hersteller, geschaltet werden können.
Ähnliches gilt für das Netzwerkmanagement. Noch war kein ATM-World-übergreifendes Netzwerkmanagement installiert worden, sondern verschiedene Inseln des ATM-Netzwerks wurden von unterschiedlichen Managementsystemen,
üblicherweise via SNMP, gemanaged.
ATM für heute und morgen
Der sofortigen Einsatzmöglichkeit von ATM tun diese Punkte jedoch keinen Abbruch. Zum einen sind die Funktionen für den Verbindungsaufbau
über Wählleitungen vom ATM-Forum zwischenzeitlich definiert und in einigen ATM-Systemen bereits implementiert. Zum anderen wird wohl kein Netzwerkplaner auf die Idee kommen, ein derart heterogenes ATM-Netz, wie auf der
ATM-World´94 gezeigt, in seiner Firma aufbauen zu wollen. Da die ATM-Technologie zudem bereits recht preiswert zu haben ist und effiziente Migrationswege zu ATM angeboten werden, wollen viele der ATM-World´94-Besucher
noch in diesem Jahr ATM-Komonenten in ihrem Netzwerk installieren.
Neben der installierten Hardware sorgten die gezeigten Applikationen für weitere Highlights. So wurden mehrere Videokonferenzen und
Bewegtbildübertragungen zu entfernten Firmenständen durchgeführt, und es wurde eine Videokonferenz über etwa 15 ATM-Switches verschiedener Hersteller durch mehrere Hallen der CeBIT´94 bis nach Berlin aufgebaut, was
wiederum das erfolgreiche Zusammenspiel unterschiedlicher ATM-Komponenten bewies.
Wir sehen uns auf der ATM-World´95
Die ATM-World´94 war ein Erfolg für alle Beteiligten, gleich ob Aussteller oder
Besucher. Dies wurde bereits auf einer Versammlung während der CeBIT´94 von den ATM-World-Ausstellern bestätigt. So haben sich auch alle Aussteller der ATM-World´94 für eine weitere Veranstaltung im nächsten Jahr
ausgesprochen. Außerdem haben schon während der CeBIT´94 weitere Firmen ihr Interesse bekundet, bei der ATM-World´95 mit von der Partie sein zu dürfen.
Die Planung der ATM-World´95 wird bereits in einigen Wochen
gestartet werden. Alle Firmen, die an der ATM-World´95 als Aussteller partizipieren möchten, sollten ihr Interesse deshalb schon heute dem DATACOM-VERLAG mitteilen.
Abkürzungen
- ATM Asynchroner Transfer Modus
- B-ISDN Broadband Integrated Services Digital Network
- HE Höheneinheit (1 HE = 44,45 mm)
- PVC Permanent Virtual Circuit
- SDH Synchronous Digital Hierarchy
- SNMP Simple Network Management Protocol
- SONET Synchronous Optical Network
- STM Synchronous Transport Module
- SVC Switched Virtual Circuit
- TAXI Transparent Asynchronous Transmitter/Receiver Interface
- UNI User Network Interface
- VCI/VPI Virtual Channel / Path Identifer