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Funknetze, Hochgeschwindigkeit, Sicherheit und Konvergenz

Netzwerk-Neuigkeiten von der CeBIT 2003

Die Schwerpunktthemen der CeBIT-Netzwerk-Aussteller hatten sich gegenüber dem Jahr zuvor kaum verändert. Neben notwendigen Commodity-Produkten dominierten Lösungen zu den Themen Wireless LANs, High-Speed-Networking, Security und Voice over IP. Alles war nur wieder ein wenig schneller und kleiner geworden und man hatte das Gefühl, dass die Branche sich zusehends bemüht, mit offenen Standards zu arbeiten.

Von Klaus Eppele

1.450 Aussteller waren in diesem Jahr zum Themenbereich „Telecommunications & Networks“ des Centrums für Büro- und Informationstechnik (CeBIT) gekommen, um ihre Produkte, Lösungen und Dienstleistungen zu präsentieren. Nach der IT-Ernüchterung der letzten Monate versuchten sie auf 118.322 (Vorjahr: mehr als 140.000) Quadratmetern in den Hallen 12 bis 16 und 25 bis 27 sowie in den Pavillions 32 bis 36 große und vor allem kleine Kunden von der Notwendigkeit neuer Netzwerk-Investitionen zu überzeugen.

Ohne Draht geht es auch

Hoch gehandelt wurde die Fraktion der WLAN-Anbieter. Nachdem die RegTP (Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post) vor kurzem den Weg für IEEE 802.11a geebnet hat und auch der Standard IEEE 802.11g verabschiedet wurde, stehen nun zwei Technologien zur Verfügung, mit denen man Funknetzwerke mit einer Bruttodatenrate von 54 Mbit/s realisieren kann. Entsprechend vielfältig war das Sammelsurium an Access-Points, WLAN-fähigen Switches, PC-, PCMCIA- und USB-Adaptern das die Hersteller zum Aufbau von Wireless LANs zeigten. Stellvertretend für die Branche sei hier die Firma Lancom Systems genannt, die neben den herkömmlichen 11 Mbit/s Wireless LAN Produkten als einer der ersten europäischen Hersteller die für die Migration von 11 Mbit/s zu 54 Mbit/s nötigen Dualband Access Points mit den von der RegTP vorgegebenen Erweiterungen vorstellte.

Leistungsfähigere Funksysteme zur Verbindung kompletter Netzwerke über größere Entfernungen zeigten Anbieter wie die GoC AG aus Dreieich. GoC präsentierte ihre neuen optischen Richtfunksysteme Cofos 200 (Bild 1) und Megalink mit denen man je nach System zuverlässige Funkverbindungen von bis zu 155 Mbit/s über Distanzen von bis zu 2.000 Metern realisieren kann.

CoFOS200 von GoCBild 1: Das optische Richtfunksystem Cofos 200 soll laut GoC AG aus Dreieich hohe Bandbreite, höchste Verfügbarkeit und höchste Zuverlässigkeit bei einer Distanz von bis zu 200 Metern bieten.

 

 

Aber auch Bluetooth, die Nahfunktechnik für Bürogeräte, war nach wie vor ein Thema. Hier präsentierte AVM aus Berlin mit Bluefritz (Bild 2) einen interessanten Kombi-Access-Point, der Bluetooth, ISDN und DSL in einem Gerät vereint. PCs und Notebooks können mit diesem System über eine Funkdistanz von bis zu 100 Metern mit dem ISDN-Netz oder dem DSL-Anschluss verbunden werden. Ein adaptierbares Kennwort garantiert dabei, dass nur berechtigte Bluetooth-Anwender Zugriff auf das Netzwerk erhalten; eine 128 Bit-Verschlüsselung und ein bis zu 1.600 mal pro Sekunde stattfindender Frequenzwechsel sollen die Abhörsicherheit bei der Datenübertragung garantieren.

Bluetooth by AVMBild 2: BlueFRITZ von AVM vereinigt die Nahfunktechnik Bluetooth mit DSL und ISDN.

 

 

 

 

Richtig schnell mit DSL

Womit wir bei der gerne als Highspeed-Internetzugang bezeichneten Digital Subscriber Line (DSL) angekommen wären. Auch die DSL-Anbieter zeigten sich lebhaft. Sie begrüßten den CeBIT-Besucher mit einem bunten Strauß von DSL-Lösungen, angefangen von schlichten Modems und Adapterkarten über Kombiprodukte wie Wireless DSL-Router bis zu DSL-Glasfaser-Extender für Service-Provider und DSL-Switches. Ergänzt wurde dieses Hardware-Angebot durch die unzähligen DSL-Tarife der verschiedenen Provider. Beispielhaft sei hier das neue SDSL-Angebot von Arcor genannt, das mit einer Bandbreite von 2,3 Mbit/s speziell auf Geschäftskunden zugeschnitten sein soll und monatlich rund 927 Euro kostet.

10.000.000.000 Bit pro Sekunde

Echte Highspeed-Produkte bekam man bei den Herstellern klassischer Netzwerksysteme wie Extreme Networks, Enterasys Networks und Foundry Networks zu sehen. So demonstrierte Foundry Networks in der Halle 14 nach eigenen Angaben als erster Hersteller ein Schnittstellenmodul (Bild 3) mit zwei Ethernet-Anschlüssen von je 10 Gbit/s (10.000.000.000 bit/s). Daneben setzten Herstellern wie Riverstone, Nortel und Extreme u. a. auf durchgängige optische Übertragungssysteme, die ohne die lästige Umwandlung von optischen in elektrische Signale auskommen. Sie boten optische Router für photonische Netze mit Dense Wavelength Division Multiplexing (DWDM) und MPLS-Router (Multiprotocol Label Switching) an, um leistungsstark verschiedene Technologien, wie ATM-, SDH- und IP-basierte Netzwerke zu vereinen.

2 x 10 Gigabit pro Sekunde von Foundry NetworksBild 3: Zehn Gigabit pro Sekunde zum Anfassen: Foundry Networks präsentierte als erster Hersteller ein 10 Gbit/s-Modul mit zwei Schnittstellen.

Safety first

Groß geschrieben wurden auch die Themen Security und VPN (Virtuelle Private Netze). Nachdem 2002 angeblich das Jahr der Viren war und das Schlagwort Cyber-Terrorismus die Runde machte wird das Thema Netzwerksicherheit als eine der wichtigen Wachstumsbranchen gehandelt. Entsprechend selbstbewusst wurden IT-Security-Lösungen wie Antiviren-Programme, Verschlüsselungs- und Authentisierungslösungen, Firewalls und VPN-Gateways zum Aufbau gesicherter Verbindung über das öffentliche Internet präsentiert. Aufgefallen ist mGuard, die zigarettenschachtelgroße Firewall des Berliner Herstellers Innominate Security (Bild 4). Der Linux-basierte Miniatur-Sicherheitsserver ist eine Kombination aus Firewall- und VPN-Appliance mit hardwareunterstützter Verschlüsselung und optionalem Antivirus-Scanning. Mit den Ausmaßen von nur 20 x 56 x 95 Millimetern enthält mGuard Funktionen, die bisher nur von erheblich größeren und teureren Geräten erreicht werden konnten.

mGuard von Innominate SecurityBild 4: mGuard von Innominate Security: Die kleinste Sicherheits-Appliance der Welt.

 

 

 

 

Aufgefallen ist auch, dass in diesem Jahr das Management von Sicherheitslösungen stärker gewichtet wurde, als in den Jahren zuvor. So präsentierte die Astaro AG aus Karlsruhe neben der neuen Version 4 der weltweit bei über 10.000 Kunden installierten Security-Appliance Astaro Security Linux ihren neuen Astaro Global Configuration Manager (Bild 5): Eine Netzwerk-Sicherheitslösung mit der man unter einer grafischen Oberfläche hunderte Firewalls und VPN-Gateways verwalten und administrieren kann.

Der Astaro Global Configuration ManagerBild 5: Der Astaro Global Configuration Manager der Astaro AG (powered by Solsoft) verwaltet hunderte von Firewalls unter einer grafischen Oberfläche.

 

 

 

 

Konvergente Netzwerklösungen

Über 50 Anbieter präsentierten mittlerweile recht ausgereifte Lösungen für die IP-Telefonie. Gezieltes Routen der Telefonie über IP (Internet Protocol) oder über die gewohnte Telefontechnik im Telefonnetz ermöglichten zum Beispiel die Smartnodes von Inalp. Das Unternehmen will mit diesem Produkt die sanfte Migration von der herkömmlichen Telefonie auf Voice over IP (VoIP) erleichtern. Neben dem H.323 Standard unterstützen die Systeme das Inalp-proprietäre ISDN-over-IP-Protokoll (ISoIP), das alle ISDN-Merkmale über ein IP-Netzwerk tunneln kann. Neu ist neben EDSS1-ISDN ein Q.Sig-Tunneling zur TK-Anlagen-Vernetzung. Unterstützt werden die Sprachkomprimierungs-Algorithmen G.723.1, G.729a und G.711 und die transparenten Codecs UD64 und RD64 zur Übertragung von ISDN-Datendiensten.

Wo VoIP-Lösungen gezeigt werden, ist meist auch die Sindelfinger Firma innovaphone AG zu finden, die auf der CeBIT demonstrierte, dass VoIP auch in größeren Szenarien problemlos umsetzbar ist. Kurzerhand hat das Unternehmen zahlreiche Partnerunternehmen mit dem innovaphone-Stand über IP vernetzt und so eine riesige standortübergreifende innovaphone PBX (Private Branch Exchange) gebildet. Die CeBIT-Besucher konnten so live miterleben, dass auf dem IP-Protokoll basierende PBXen mit konventionellen TK-Anlagen in punkto Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit absolut gleichziehen und für die Anforderungen der Zukunft bestens gerüstet sind.

Tools für Client-/Server-Lösungen

Selbstverständlich gab es auch bei den klassischen Netzwerktechniken Neues zu entdecken. Interessante Lösungen zum Aufbau und zur Optimierung von Client-/Server-Umgebungen bot beispielsweise die auf Server-based Computing spezialisierte LWP GmbH aus Ettlingen. Neben ihren LWPtools zur Optimierung von Citrix-MetaFrame und MS-Terminalserver-Umgebungen stellte der Client-/Server-Spezialist die Accelerator-Produkte von Expand Networks vor (Bild 6). Ohne die verfügbare Bandbreite erweitern zu müssen, können diese Systeme mittels Enterprise-Caching die Anzahl der Nutzer einer Weitverkehrsverbindung bis zum Vierfachen erhöhen.

Die LWP GmbH präsentierte den Expand Accelerator Bild 6: Die LWP GmbH präsentierte den Expand Accelerator, der die Bandbreite auf WAN-Strecken bis zum Vierfachen erhöhen kann.

 

 

 

Fazit

Auch wenn die CeBIT im dritten Jahr der IT-Krise wieder etwas geschrumpft war, so waren doch die meisten Netzwerk-Anbieter auf der immer noch weltgrößten Computermesse vertreten. Überwältigende Neuigkeiten waren nicht auszumachen. Aber das ist vielleicht auch gut so. Denn die Anwender brauchen eine Ruhepause, um vorhandene Technologien zu konsolidieren und interoperabel zu machen. Außerdem ist heute kaum ein Unternehmen bereit, Experimente mit neuen Netztechnologien einzugehen. Neue Ideen können nur noch an den Mann gebracht werden, wenn sie einen schnellen Return on Invest garantieren können.

 

Autor

Der Autor Dipl. Inform. Klaus Eppele ist Inhaber der Firma improve marketing-training-consulting, Karlsruhe, www.improve-mtc.de

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Erscheint in der CIH 04/03