Im Centrum für Büro- und Informationstechnik (CeBIT) fand man in diesem Jahr keine grundsätzlich neuen Netzwerktechniken, sondern vielmehr Produkte, Lösungen und
Dienstleistungen, um bestehende Kommunikationsstrukturen sicherer, schneller und über drahtlose Techniken mobiler zu machen. Insbesondere die Themen Wireless und Security hatten einen hohen Stellenwert. Den Innovationen
bei drahtlosen Personal und Local Area Networks widmete sich insbesondere die Halle 13 mit der Sonderschau „Wireless P/LAN Exchange“. Zusätzliche Informationen zu den drahtlosen Techniken GSM und Bluetooth gab es im
Wi-Fi Pavillion. Neuheiten im IT-Security-Bereich fand man über unterschiedliche Hallen verteilt, aber auch im Centrum für Informationssicherheit (Cefis) in der Halle 17.
Sicher ins Netzwerk
Nachdem die Hersteller von Antivirenprogrammen in diesem Jahr schon an die 70 verschiedene Viren verzeichnen konnten, ist klar, dass auch in diesem Jahr das Thema „Netzwerk-Sicherheit“ hohe Priorität hatte und nach wie
vor als einer der wichtigsten Wachstumszweige der Branche gehandelt wurde. Entsprechend selbstbewusst wurden IT-Security-Lösungen wie Antivirenprogramme, Verschlüsselungs- und Authentisierungslösungen, Firewalls und
VPN-Gateways zum Aufbau gesicherter Verbindungen über das Internet von den Herstellern präsentiert, die ihre Systeme aufgerüstet und zum Teil verschiedene Abwehrmaßnahmen zu neuen Produkten kombiniert hatten.
So haben
beispielsweise Network Associates, Symantec und Trend Micro ihre interaktiven Antiviren-Lösungen um Firewall-Regeln erweitert, die kritische Dienste oder Ports blocken können, bis eine neue Virensignatur geschrieben
oder der Virenscanner aktualisiert wurde, und Hersteller wie Symantec, Computer Associates und NAI haben ihren Systemen Scanner hinzugefügt, die sogar präventiv nach Schwachstellen im Netzwerk fahnden können.
Auch
viele Firewall-Hersteller wie Check Point, Netscreen, Watchguard oder Cisco waren im letzten Jahr nicht untätig. Sie stellten ihren Brandmauern Intrusion Prevention Mechanismen zur Seite, die die Datenpakete im Netzwerk
analysieren und so Netzwerkangriffe wie DoS-Attacken, Exploits, Würmer und unerlaubte Zugriffe frühzeitig erkennen und protokollieren können.
Aufgefallen ist, dass die Security-Anbieter in diesem Jahr verstärkt den
Mittelstand zu adressieren versuchten. Mit speziellen Produkt-Bundles und angeblich leicht managebaren Systemen wollte man die doch recht komplexen Sicherheitssysteme auch den Unternehmen näher bringen, die keine
eigenen Netzwerkspezialisten beschäftigen können. Allerdings werden vor allem die Intrusion Detection Systeme nicht automatisch an Komplexität verlieren nur weil sie plötzlich das Label „für den Mittelstand“ tragen.
Drahtlos glücklich
Hoch gehandelt wurden auch die Funktechniken. Das merkte man schon daran, dass die Messeleitung den ursprünglichen Themenbereich „Telecommunications & Networks“ um den Begriff
„Wireless“ ergänzt hatte. Auch stand in diesem Jahr in allen Messehallen, sowie im Information- und im Convention-Center ein flächendeckendes Wireless-LAN zur Verfügung. Mehr als 200 IEEE802.11b-Access-Points mit
Übertragungsraten von 11 Mbit/s sorgten dafür, dass jeder Aussteller und jeder Messebesucher gegen eine Gebühr ab 10 Euro für 60 Minuten mit seinem Notebook drahtlos kommunizieren konnte.
An Produkten fand man
neben bekannten Access-Points, WLAN-fähigen Switches, PC-, PCMCIA- und USB-Adaptern vor allem dedizierte Wireless-Switches, Wireless-Printserver und erste Ankündigungen für die Sprachübertragung im Wireless-LAN, für die
aber noch übergreifende Standards wie 802.11e für die Einhaltung der Dienstgüte auf Luftstrecken fehlen. Wireless-Switches zur Verbindung von Funknetzen mit bestehenden Netzwerken wurden beispielweise von Airspace,
Foundry Networks oder Nortel Networks gezeigt. Wireless-Printserver zum Drucken via Funk boten u. a. SMC und Compu-Shack an. Außerdem gab es neue Produkte rund um Bluetooth, die Nahfunktechnik für Bürogeräte. AVM hatte
z. B. seine Fritz-Serie um die FRITZ!Box Blue erweitert, einen DSL- und ISDN-Access Point, der neben Ethernet und USB auch Bluetooth bietet, um Geräte wie Organizer, Smartphones, Spielkonsolen oder bluetooth-fähige
Fernseher drahtlos und performant ins Internet zu integrieren.
High-Speed wird bezahlbar
Im Infrastrukturbereich waren etliche Konzepte zu sehen, die auf die inzwischen vom IEEE (Institute of
Electrical and Electronics Engineers) standardisierte Funktion 802.1X bauen. Hinter diesem Verfahren verbirgt sich ein Layer-2-Mechanismus im Ethernet, der den Port, an den ein Client gekoppelt ist, mit seiner
MAC-Adresse und dem Benutzernamen des Anwenders in Verbindung bringt. Über meist Radius-basierte Datenbanken (Radius = Remote Authentication Dial In User Service) kann man somit jeden Anwender im Netzwerk
authentifizieren und ihm die seinen Rechten entsprechenden Ressourcen zuweisen.
Nachdem gerade im letzten Jahr die ersten 10 Gbit/s-Ethernet-Ports vorgestellt wurden, gab es dieses Jahr noch nichts Neues in Sachen
höherer Bandbreite. Allerdings ist die 10 Gig-Technik inzwischen Ihren Kinderschuhen entwachsen und in vielen Varianten verfügbar. Auch der Preis ist drastisch gesunken. Während beispielsweise Extreme Networks oder
Foundry Networks im letzten Jahr noch etwa 70.000 Dollar pro Gigabit-Port verlangten, kostete dieser zur CeBIT 2004 nur noch knapp 8.000 Dollar.
Foundry demonstrierte auch als weltweite Produktneuheit die ersten Power
over Ethernet (PoE) Netzwerk-Switches. Die neuen FastIron Edge 2402 POE und 4802 POE Switches implementieren den Power over Ethernet Standard IEEE 802.3af zur Stromversorgung von Ethernet-Geräten und reduzieren die
Komplexität und den Kostenaufwand für die Verlegung und das Management separater Ethernet- und Stromversorgungs-Kabel zum Anschluss von IP-Geräten und Access Points.
Ergänzend zum Thema High-Speed darf auch nicht
unerwähnt bleiben, dass Vodafone nach jahrelangen Verzögerungen endlich UMTS (Universal Mobile Telecommunications System), den Mobilfunkstandard der dritten Generation anbietet und entsprechende Lösungen auf der CeBIT
anpries. Mit der „Mobile Connect Card UMTS“ können Anwender in Ballungszentren nun via Mobilfunk von unterwegs mit bis zu 384 kbit/s im Internet surfen.
Konvergente Netzwerklösungen
Wenn man dem
Marktforschungsunternehmen Gardner glauben will, dann sind traditionelle Telefonanlagen auf dem Weg zum Auslaufmodell. Laut einer bereits Ende des letzten Jahres gestellten Prognose sollen die Verkaufszahlen von
Kommunikationsservern, die Sprache über IP (Voice over IP, VoIP) unterstützen, schon in 2004 die Verkäufe herkömmlicher Telefonanlagen übertreffen – zumindest in den USA. Somit ist verständlich, dass auch die
diesjährige CeBIT viele ausgereifte Lösungen für die IP-Telefonie feilbot. Mit einer neuen Generation von IP-Telefonanlagen wollte beispielsweise Innovaphone auf der Messe neue Maßstäbe in puncto Sicherheit,
Benutzerkomfort und Zuverlässigkeit setzen. Das Sindelfinger Unternehmen zeigte u. a. die IP-Telefonielösung IP 800, die VoIP-Gateway und IP-Telefonanlage vereint, über ein bis vier mittels Software freischaltbarer
ISDN-BRI-Ports (Basic Rate Interface mit 2 B-Kanälen á 64 kbit/s) verfügt und zehn bis 100 Nebenstellen versorgt.
Client-/Server-Tools
Es gab auch wieder interessante Lösungen zum Aufbau
und zur Optimierung von Client-/Server-Umgebungen. So stellte die auf Server-based Computing spezialisierte LWP GmbH aus Ettlingen neben ihren LWPtools zur Optimierung von Citrix-MetaFrame und
MS-Terminalserver-Umgebungen die Software SoftGrid vor, die gewöhnliche Windows-Anwendungen in zentral administrierbare Netzwerkdienste umwandelt. Die Anwendungen werden nicht mehr auf den Clients installiert, sondern
bei Bedarf vom SoftGrid Virtual Application Server bereitgestellt. Beim Login werden Zugriffsberechtigungen und verfügbare Lizenzen überprüft, die nötigen Module des Applikationscodes hochkomprimiert vom Server zum
Client übertragen und in der virtuellen SoftGrid SystemGuard Umgebung gestartet. Der SystemGuard sorgt dafür, dass jede Applikation auf jedem Client ohne Installation oder Konfiguration ausführbar ist, und dass es keine
Konflikte mit anderen Anwendungen gibt. SystemGuard und Applikationscode werden im Client gespeichert, was einen erneuten Abruf vom Server nur nach Software-Aktualisierungen nötig macht.
Fazit
Ein
Rundgang durch die CeBIT ist immer wieder hochinteressant. Auch wenn es in diesem Jahr im Netzwerkbereich keine überwältigenden Neuheiten gab, so hatte die Messe doch wieder viele interessante Weiterentwicklungen und
Produktkombinationen zu bieten.