Nicht das Thema "ATM" sondern das Thema "Internet" stand im Vordergrund in den Hallen 11 und 12 der CeBIT´96. Das bedeutet nicht, daß ATM nicht nach wie vor rege diskutiert wurde, sondern
beweist, daß sich ATM inzwischen etabliert hat und nun einfach dazu gehört.
Obwohl alle großen Aussteller auf Ihren Ständen ATM-Produkte präsentierten, lohnte sich auch in diesem Jahr der Besuch der
Gemeinschaftsveranstaltung "ATM-World", wenn man das Neueste in Sachen ATM erfahren wollte. Die ATM-World fand zum dritten Mal statt und vereinte in der Halle 11 auf 335 qm Fläche etwa 30 verschiedene
ATM-Systeme von 20 verschiedenen Herstellern und Distributoren zu einem gemeinsamen ATM-Netzwerk.
Der Schwerpunkt der ATM-World´96-Präsentationen lag in den Bereichen Signalisierung, LAN Emulation,
Management und Übertragung von Sprache und Video.
Signalisierung:
Während das ATM-World´95-Netz fast nur mit festgeschalteten PVCs (Permanent Virtual Circuits) realisiert wurde, kam in diesem Jahr
in weiten Teilen des ATM-Netzwerks Signalisierung nach ATM Forum UNI 3.0/3.1 oder Q.2931 zum Einsatz. Außerdem unterstützten die meisten ATM-Switches bereits das Interim Inter-Switch Signaling Protocol (IISP). IISP ist
der erste Schritt zur Kommunikation zwischen Switches beliebiger Hersteller. IISP basiert auf statischen Routen, die von Hand in die Routing-Tabellen der einzelnen Switches einzutragen sind und ist nur ein erster
Zwischenschritt zum P-NNI (Private Network-to-Network-Interface), das das ATM-Forum im April 1996 defininiert haben will (siehe auch Tabelle).
LAN-Emulation:
ATM wird von den Anwendern nur dann
akzeptiert, wenn bestehende Investitionen geschützt werden, also die sogenannten legacy LANs (Etherent und Token Ring) neben ATM weiterhin genutzt werden können. Auch die hierzu definierten Ansätze (LAN-Emulation
Version 1.0, RFC 1577 oder RFC 1483) wurden inzwischen von fast allen Ausstellern der ATM-World´96 implementiert. Allerdings wird für Dezember 1996 bereits die Version 2.0 der LAN-Emulation erwartet, die hoffentlich
eine redundante Auslegung der zentralen Komponenten zur LAN-Emulation (LECS, LES und BUS) erlaubt und auch effizienter für große emulierte LANs geeignet ist.
Applikationen:
Die Killerapplikation
für ATM, die ATM schnell zum Massengeschäft werden läßt, wurde auch in diesem Jahr nicht vorgestellt. Trotzdem war bei den dargebotenen Applikationen ein deutlicher Fortschritt gegenüber der Präsentation von 1995 zu
erkennen. Die für eine Marktakzeptanz wichtigen Anwendungen Netz-Management, Sprachintegration und Videokommunikation wurden zufriedendstellend demonstriert:
Das gesamte ATM-Netz wurde von einem zentralen
Managementsystem unter HP OpenView überwacht, und Telefonanlagen verschiedener Hersteller wurden via ATM gekoppelt. Die Aussteller demonstrierten, daß man schon heute Sprache und Bewegtbild qualitativ hochwertig via ATM
übertragen kann. Allerdings ist auch hierbei noch etwas Vorsicht geboten. Entsprechende Verfahren sind noch proprietär. Selbst das ATM-Forum konnte sich bisher noch nicht auf ein allgemeingültiges Verfahren zur
Übertragung von CBR-Datenströmen (Constant Bit Rate) einigen.
Mit dabei war auch der europäische Zweig des ATM-Forums EMAC (European Market Awareness Committee). Das EMAC hatte auf der ATM-World´96 einen
Informationsstand eingerichtet. Vertreter des ATM-Forums beantworteten Fragen zur Technologie und zur Einführung von ATM in Europa auf nicht-kommerzieller Basis und verteilten Informationsschriften und anderes
Hintergrundmaterial.
Die ATM-World´96 hat bewiesen, daß die ATM-Entwicklung schnell vorangetrieben wird und seit der letzten ATM-World einen gewaltigen Schritt getan hat. Gespräche mit Ausstellern und mit Referenten
der die ATM-World´96 begleitenden Vortragsreihe haben gezeigt, daß ATM für viele Anwendungsfälle bereits heute die richtige Lösung ist. Der kritische Anwender erkannte aber auch schnell, daß noch zu viele Restriktionen
ATM vom Massengeschäft fernhalten. Dieser Meinung war selbst ein Mitaussteller der ATM-World´96, der in seinem Vortrag die allgemeine Marktakzeptanz für ATM im Jahre 1999 sah.
Die nächsten Meilensteine in der ATM-Normierung:
(Auszug aus "ATM Forum Spec Watch, Current Work Items as of February 1996".)
- ILMI (Interim Layer Management Interface) Version 4.0 April 1996
- P-NNI (Private Network-to-Network Interface) Version 1.0 April 1996
- Traffic Management Version 4.0 April 1996
- UNI Signaling Version 4.0 Juni 1996
- Network Management M4 SNMP MIB Network Element August 1996
- Network Management M5 Carrier Interface Oktober 1996
- Voice & Telephony over ATM Oktober 1996
- LAN-Emulation Version 2.0 - LUNI Interface Dezember 1996
- LAN-Emulation Version 2.0 - Server-to-Server Interface Dezember 1996
- MPOA (Multiprotocol over ATM) Version 1.0 Februar 1997
- Security Verison 1.0 Februar 1997
Nicht im Text aufgelöste Abkürzungen:
- LECS LAN Emulation Configuration Server
- LES LAN Emulation Server
- BUS Broadcast and Unknown Server