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“Nur ATM kann die nötigen Dienstqualitäten garantierten“

Erfolg im ATM-Access

HiLAN ist einer der ATM-Pioniere, der seiner ATM-Philosphie bis heute treu geblieben ist. DATACOM sprach mit den HiLAN-Geschäftsführern Klaus Böcker und Markus Pestinger über den europäischen ATM-Markt und die Geschäftspolitik der HiLAN GmbH.

?DATACOM: HiLAN hat schon sehr früh damit begonnen, ATM-Komponenten zu entwickeln. Ist ATM nach wie vor das zentrale Thema bei HiLAN?

Böcker: Ja, das ist es. Wir waren weltweit eine der ersten Firmen, die auf ATM gesetzt hat. Bereits seit 1993 entwickeln und vertreiben wir ATM-Produkte zur Integration vorhandener Sprach- und Datennetze in ATM-Umgebungen. Unser Ziel war damals wie heute, eine Plattform zu schaffen, die die verschiedenen Dienste wie Daten, Sprache und Bewegtbild mit garantierten Dienstqualitäten über eine Technologie verfügbar macht. ATM ist für diese Anforderungen nach wie vor die einzig sinnvolle Lösung. Wir haben in den letzten Jahren unser Entwicklungs-Konzept „Cell Oriented SYstems (COSY)“ zur Marktreife gebracht und bereits in vielen Projekten erfolgreich eingesetzt. COSY kombiniert Cell- und Frame-Switching in leistungsstarken, modularen Systemen. Das System ermöglicht die Kopplung herkömmlicher Netztechnologien über ATM und damit die investitionssichere, sanfte ATM-Migration und die integrierte Übertragung von Sprache und Daten über ATM-Backbones.

?Aber die ATM-Euphorie ist doch seit Jahren vorbei. Es scheint, dass IP und Gigabit-Ethernet das Rennen machen werden. Was bewegt HiLAN, weiterhin auf ATM zu setzen?

Böcker: Es ist richtig, dass sich die hochgepushten ATM-Prognosen von vor einigen Jahren nicht erfüllt haben. Man hatte damals die Hoffnung, dass ATM aufgrund der Skalierbarkeit in Bandbreite und Ausdehnung und aufgrund seiner Integrationsfähigkeit für alle Dienste alle vorhandenen Übertragungsprotokolle ablösen könnte und dass somit Kosten minimiert und Netze leichter verwaltet werden könnten. Inzwischen wurde ATM aufgrund der rasanten Fortschritte beim Ethernet weitgehend aus dem LAN verdrängt, so dass ATM heute wieder zu seinem Ursprung, dem WAN, zurückgekehrt ist.

Pestinger: Hier erfährt ATM derzeit eine regelrechte Renaissance. Im Weitverkehrsbereich ist Bandbreite teuer und nicht in beliebigem Umfang zu bekommen. Die Carrier benötigen deshalb eine Übertragungstechnik, die die oft zu knappe Bandbreite optimal kontrollieren, verteilen und steuern kann. Viele Carrier, die heute IP-Dienste zum Endbenutzer anbieten, verwenden ATM im Backbone und im Access-Bereich. Auch Last-Mile-Technologien wie xDSL oder Wireless Local Loop basieren in der Regel auf ATM. Außerdem sind die Carrier bestrebt, ihr Angebot im Sprachbereich auszuweiten. Genau in diesen Marktnischen bewegen wir uns mit unseren COSY-ATM-Access-Switches. Wir unterstützen sowohl Sprachdienste mit einer großen Protokollvielfalt als auch IP auf der Anwenderseite und bieten mit ATM einen echten Mehrwert im Access-Bereich.

?Wenn man den Prognosen glauben darf, dann wird Ethernet, gerade in der angekündigten 10 Gigabit-Variante, aber auch zunehmend als WAN-Technologie eingesetzt werden.

Pestinger: Selbstverständlich kann man Ethernet auch nutzen, um zwei Netze über größere Distanzen mit einer Glasfaser zu verbinden. Eine WAN-Technologie haben wir damit aber noch lange nicht. Die Ethernet Fraktion versucht derzeit durch die Bereitstellung großer Bandbreiten, Unpässlichkeiten wie eine fehlende Flusskontrolle oder ein unzureichendes Bandbreitenmanagement zu umgehen. Dieses Konzept mag vielleicht derzeit noch in den USA Erfolg versprechen, wo Bandbreite in großen Mengen zur Verfügung steht. In den europäischen Ballungsgebieten, wo Bandbreiten begrenzt sind und man diese optimal vermitteln muss, geht das nicht. Sobald sich mehrere Anwender oder Carrier ein Backbone teilen müssen, benötigt man eine Vermittlungstechnik, die dem Anwender Quality of Services, wie garantierte Bandbreiten oder garantierte Verzögerungszeiten bereitstellen kann. Man kann diesen Marktforderungen nicht mit der bloßen Erhöhung der Bandbreite begegnen. Denn auch 10GE-Netze werden mit der Zeit gefüllt werden, so dass es wiederum zu Laufzeitproblemen kommen wird.

Böcker: Auch die vermeintlichen Preisvorteile von Gigabit-Ethernet greifen nicht im WAN-Umfeld. Im Backbone-Bereich hat ATM als verbindungsorientierte Technik einen enormen Kostenvorteil. Die einzelnen ATM-Knoten können mit wesentlich geringerem Hardwareaufwand realisiert werden, da weniger Routing- und Vermittlungsintelligenz in den einzelnen Knoten benötigt wird. Ein Ethernet-Switch muss jedes einzelne Datenpaket analysieren und vermitteln. Bei ATM wird schon beim Verbindungsaufbau ein logischer Kanal durch alle relevanten Switches geschaltet, über den die ATM-Zellströme schnell und ohne viel Aufwand transportiert werden können. Auch im Anschlussbereich werden sich die Preise nach unten bewegen. Denn ATM und Gigabit-Ethernet verwenden dieselben Transceiver-Bausteine für die optische Anschlusstechnik. Die zunehmende Massenproduktion solcher Bauteile wird zu sinkenden Kosten führen. Schließlich ist zu sagen, dass sich auch die Marktprognosen für ATM durchaus sehen lassen können. Frost & Sullivan hat die Wichtigkeit von ATM als Integrator verschiedener Dienste im WAN erkannt und sagt voraus, dass der Weltmarkt für ATM-WAN-Geräte und Dienste von 1,51 Milliarden US-Dollar im Jahre 1999 auf sechs Milliarden US-Dollar im Jahre 2006 anwachsen wird. Dabei werden die Nationen Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Skandinavien, die auch unseren Zielmarkt darstellen, den globalen ATM-WAN-Markt dominieren.

?Haben diese Prognosen dazu beigetragen, dass Sie sich für das Jahr 2001 eine Verdopplung des Umsatzes vorgenommen haben?

Böcker: Nein, das hat andere Gründe. Wir konnten bereits im letzten Jahr unseren Umsatz auf 4,5 Millionen DM verdoppeln. Für dieses Jahr peilen wir die Neun-Millionen-Grenze an. Dieses Ziel ist durchaus realistisch. Denn wir sind der einzige deutsche Hersteller, der den enormen Bedarf an Geräten zur Integration von Sprache und Daten über ATM mit eigenen Systemen bedienen kann. Unsere COSY-Systeme sind technisch ausgereift und haben sich in vielen Projekten bewährt. Außerdem haben wir mit unserem Gesellschafter DATUS einen starken Vertriebspartner, der es gewohnt ist, die Projektleitung für sehr große Projekte zu übernehmen. Beispielsweise bauen wir derzeit zusammen mit DATUS das Netz des Landesbetrieb für Informationstechnik (LIT) in Berlin auf. Dort sind derzeit 40 unserer Systeme installiert. Im Endausbau werden beim LIT etwa 500 COSYs installiert sein. Interessante Projekte erwarten wir auch von der Telekom, der unser Hauptgesellschafter DATUS mehrheitlich angehört. Denn unsere COSY-MILLI-Switches, die bereits seit 1998 die T-Net-ATM-Zertifizierung besitzen, werden nun auch in Telekom-Projekten berücksichtigt. Neben DATUS haben wir selbstverständlich auch noch andere Vertriebspartner, die teilweise sehr gute Beziehungen zu Carriern und konkrete Projekte im Hintergrund haben, die bis nach Korea reichen.

Pestinger: Wir sind an der Zusammenarbeit mit weiteren Systemintegratoren, Generalunternehmern und OEM-Partnern insbesondere im europäischen Ausland interessiert. Qualifizierte Partner, die über ein fundiertes Netzwerk-Know-how verfügen, erhalten von uns sämtliche Unterstützung, um unsere COSY-Systeme vermarkten zu können. Dazu gehören umfangreiche Produktschulungen, Demo-Equipment zu Vorzugspreisen, Second-Level-Support, attraktive Partnerrabatte und vieles mehr.

?DATUS zeichnet 75 Prozent der HiLAN-Geschäftsanteile. Wie stark nimmt DATUS Einfluss auf das operative Geschäft und die Produktpolitik von HiLAN?

Böcker: Die DATUS AG, die bereits seit Ende 1997 eine strategische Allianz mit HiLAN unterhält, ist seit Dezember zu 75 Prozent an HiLAN beteiligt. Die restlichen 25 Prozent teilen sich die tbg Technologie-Beteiligungs-Gesellschaft mbH, Bonn und die TBF Technologie-Beteiligungs-Fonds GmbH&Co.KG, Baesweiler. Ich selbst war früher in der Geschäftsführung von DATUS tätig und bin im April 2000 zu HiLAN gekommen, um es zu einem profitablen Unternehmen zu machen. DATUS möchte, dass HiLAN ein eigenständiges Unternehmen bleibt und selbständig operiert und ich glaube, dass HiLAN auch nur so erfolgreich sein kann.

Pestinger: Selbstverständlich werden jedoch Synergien zwischen DATUS und HiLAN genutzt, wo immer das möglich ist. DATUS ist nicht nur unser wichtigster Vertriebsparter. Wir arbeiten auch im Entwicklungsbereich zusammen. Zusammen mit der DATUS-Entwicklungsabteilung bilden wir die derzeit größte ATM-Entwicklermannschaft in ganz Deutschland. Unser Know-how im Bereich ATM und Vermittlungstechnik vereint mit den WAN- und Protokoll-Kenntnissen der DATUS-Entwickler macht uns im ATM-Access unschlagbar.

?Wie sieht die HiLAN-Produktpolitik aus für das Jahr 2001?

Pestinger: Wir werden in diesem Jahr die Funktions- und Protokollvielfalt unserer COSY-Switches weiter ausbauen. Wir arbeiten zur Zeit beispielsweise an Lösungen, um die LAN-Emulation deutlich komfortabler, leistungsfähiger und sicherer zu machen. Außerdem bereiten wir uns auf die Expansion im europäischen Markt vor, indem wir neben vorhandenen ISDN-Protokollen, wie DSS1 oder 1TR6, weitere Signalisierungsprotokolle implementieren. Erste Ergebnisse dieser Arbeiten werden wir bereits auf der diesjährigen CeBIT (Halle 11 / Stand F.10) präsentieren. Darüber hinaus werden wir den modularen ATM-Access-Switch COSY-MILLI um Layer-4-Funktionalität zur Paketklassifizierung und zur Prioritätssteuerung ergänzen. Um alle unsere Pläne verwirklichen zu können, suchen wir allerdings noch händeringend nach neuen Mitarbeitern in den Bereichen, Hardware- und Software-Entwicklung, Projektmanagement und Vertrieb für unsere Standorte in Karlsruhe und Bergheim.

!Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

(kepp)

Klaus Böcker 

Klaus Böcker, kaufmännischer Geschäftsführer der HiLAN GmbH Bergheim / Karlsruhe

Markus Pestinger 

Markus Pestinger, technischer Geschäftsführer der HiLAN GmbH Bergheim / Karlsruhe

 

Autor

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Dipl. Inform. Klaus Eppele
Heinrich-Weitz-Str. 31
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Tel: 07 21 / 94 74 621
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Erschienen in DATACOM 03/01, Seiten 30 - 32