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50 Prozent der Anwender vertrauen deutschen Security Produkten

Key Recovery verunsichert die Anwender

Um die Interessen der Strafverfolgung und des Staatsschutzes zu berücksichtigen, wünschen sich staatliche Institutionen Nachschlüssel zu verschlüsselten Internet-Daten. Viele Anwender befürchten, dass hierzu Key-Recovery-Verfahren eingesetzt werden und vertrauliche Daten in die falschen Hände gelangen können.

Von Klaus Eppele

Nach Jahren des strikten Exportverbots kryptographischer Produkte mit Schlüssellängen über 40 Bit hat das US-Handelsministeriums im letzten Jahr eine Lockerung der amerikanischen Exportbestimmungen für Europa angekündigt. Seit dieser Zeit dürfen Verschlüsselungsprodukte mit einer Schlüssellänge bis zu 56 Bit und Schlüsselmanagementsysteme mit Schlüssellängen bis zu 512 Bit nach Europa exportiert werden. Produkte mit starker Verschlüsselung (Schlüssel größer 56 Bit) erhalten die Exportgenehmigung „after a technical review“. Kritische Anwender befürchten, dass dieser „technical review“ nur dazu da ist, das Vorhandensein von Key Recovery Mechanismen zu prüfen, die es den Geheimdiensten ermöglichen, auch verschlüsselte Nachrichten mitzulesen.

Was ist Key Recovery?

Unter Key Recovery versteht man Techniken, um einen Schlüssel wiederzugewinnen. Dies erreicht man durch einfaches Hinterlegen einer Kopie des Schlüssels (key escrow) oder durch Informationen, die den verschlüsselten Daten beigefügt werden. Ein simples Konzept ist das Verschlüsseln des Sitzungsschlüssels, mit dem die Kommunikation zwischen zwei Partnern gesichert wird, mit dem öffentlichen Schlüssel eines sogenannten Key Recovery Agents. Ein Key Recovery Agent ist eine Organisation, die mitwirkt, Schlüssel oder Daten bei Vorlage einer richterlichen Verfügung zu regenerieren. Falls notwendig kann der ausschließlich den Kommunikationspartnern bekannte Sitzungsschlüssel, der den Daten in verschlüsselter Form beigegeben ist, vom Key Recovery Agenten mit dessen privaten Schlüssel wiedergewonnen werden.

Prinzip Verschlüsselung 

Bild: Der Sitzungsschlüsel (orange) wird mit dem nur dem Key Recovery Agent bekannten grünen Schlüssel chiffriert und mit dem Datenpaket übertragen. Der Key Recovery Agent kann nun den Sitzungsschlüssel (orange) regenerieren und damit die vertraulichen Nachrichten entschlüsseln und mitlesen.

In den letzten Jahren wurden viele Key Recovery Mechanismen entwickelt. Alle großen Hersteller haben sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und zum Teil entsprechende Verfahren implementiert. Es kommen immer wieder Gerüchte auf, die besagen, dass manche amerikanischen Hersteller bei Verwendung langer Schlüssel eine bestimmte Anzahl von Bit hinterlegen. Andere Gerüchte sprechen davon, dass die höherwertigen Bit langer Schlüssel mit Nullen oder Einsen aufgefüllt werden oder dass man andere Teilschlüssel verwendet, die leicht zu dechiffrieren sind. Weiterhin wird gemutmaßt, dass in gewissen Produkten die Zufallszahlen, die für die Kryptographie eingesetzt werden, nicht ganz zufällig sind. Institutionen wie die NSA (National Security Agency) könnten in so einem Fall mittels Brute-Force-Attacken den Schlüssel herausfinden, weil sie nicht den kompletten Zahlenraum, sondern nur eine Teilmenge davon ausprobieren müssten, um einen Schlüssel zu knacken.

Viele Fragen sind noch offen

Mehrere Staaten würden es gerne sehen, wenn man sich weltweit auf eine Key Recovery Strategie einigen könnte. So könnte man alle Daten verschlüsseln und vor unauthorisierten Hackern schützen. Gleichzeitig könnte man - beispielsweise bei Verdacht auf kriminelle Machenschaften - nach einem richterlichen Beschluss auf die verschlüsselten Nachrichten mittels hinterlegten Schlüssen oder anderen Key Recovery Mechanismen zugreifen.

Bevor diese Vision Wirklichkeit werden kann, sind noch viele Fragen zu beantworten.

  • Kann der Anwender beispielsweise sicher sein, dass die mit der Abwicklung des Key Recovery beauftragten Key Recovery Agents und deren Personal nur aufgrund einer rechtsgültigen Verfügung die ihnen anvertraute Information preisgeben?
  • Ist sichergestellt, dass bei einer länderübergreifenden Kommunikation den Geheimdiensten durch nationale Regelungen keine Hintertürchen zur Wirtschaftsspionage geöffnet werden?
  • Können aufgrund eines richterlichen Beschlusses nur die Daten herausgegeben werden, die mit bestimmten Terminen verknüpft sind?
  • Ist es möglich, dass Key Recovery Verfahren nur auf Chiffrierschlüssel, nicht aber auf Signaturschlüssel angewendet werden? Die Hinterlegung des Signaturschlüssels hätte zur Folge, dass die Beweiskraft der digitalen Unterschrift verloren ginge.

Zudem hat das Key Recovery Konzept ganz offensichtlich eine technische Schwäche. Kriminelle Organisationen könnten Daten zwei- oder mehrfach verschlüsseln, was die Strafverfolgungsbehörden erst nach der Entschlüsselung bemerken würden. Weiterhin ist es auch möglich, geheime Nachrichten mittels Steganographie in anderen, unauffälligen Dateien zu verstecken. Wer dies nicht weiß, kann möglicherweise auch nach einer Entschlüsselung nicht erkennen, dass sich geheime Nachrichten in den Daten verbergen. Führen allein diese Aspekte nicht die gesamte Key Recovery Diskussion ad absurdum?

Security Made  in Germany

Aufgrund dieser Unsicherheiten greifen deutsche Anwender gerne zu deutschen Produkten, wenn es um das Thema IT-Security geht. Nach einer vom Bundesministerium für Wirtschaft beauftragten Studie, die im Mai 2000 vom Wissenschaftlichen Institut für Kommunikationsdienste (WIK) und der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) veröffentlicht wurde, liegt der Marktanteil deutscher Securtiy-Unternehmen an der deutschen Krypto-Wirtschaft bei derzeit 50 Prozent. Amerikanische Produkte genießen gerade einmal das Vertrauen von 25 Prozent der deutschen Anwender.

Stellvertretend für die deutschen Bestrebungen in diesem Bereich sei hier auf die Firma CONWARE Netzpartner GmbH verwiesen. Das Karlsruher Security-Unternehmen vereint unter dem Markennamen SecuWare aufeinander abgestimmte Produkte, Lösungen und Dienstleistungen zum Aufbau und Betrieb sicherer Netze. SecuWare gliedert sich in die drei Bereiche SecuStructure, SecuAccess und SecuControl. SecuStructure realisiert eine sichere Netzinfrastruktur, SecuAccess sichert Datenübertragung und Netzzugang und SecuControl sorgt für die sichere Verteilung, Ablage und Organisation von Daten. Die CONWARE-Produke VPNswitch, VPNgateway und VPNclient zum Aufbau sicherer virtueller privater Netze arbeiten alle mit starker Verschlüsselung ohne Schlüsselhinterlegung.

 

Autor:

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Dipl. Inform. Klaus Eppele
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Erschienen in CD Sicherheitsmanagement 02/01, Seiten 98 - 101.