Der Veranstalter hat damit gezeigt, daß er es ausgezeichnet versteht, aktuelle Trends schnell
in aussagekräftige Kongresse umzusetzen. Leider hatte diese Neuausrichtung aber zur Folge, daß den Hochgeschwindigkeitsnetzwerken nur noch eine Halbtagessitzung mit vier Vorträgen gewidmet werden konnte. Ein Jahr zuvor
war dies noch anders: Der '95er Kongreß bot zum Thema ATM und schnelle Netze zwei komplette Tagessitzungen, und in den Kongreßbänden fanden sich Folienkopien von insgesamt 20 Vorträgen zu High-Speed-Techniken.
Trotz des knappen zeitlichen Rahmens hatte es der Veranstalter durch die Wahl der richtigen Themen und Referenten geschafft, daß alle relevanten Techniken erläutert und der aktuelle Stand der Dinge
aufgezeigt werden konnte. Nach einem einführenden Überblick über alle modernen Netztechniken wurden die Themen »1OOMbit/s-und 1 Gbit/s- Ethernet«, »High Speed WANs« und »ATM« mit je einem Referat bedacht. Es folgt eine
kurze Zusammenfassung der zentralen Aussagen:
Die High-Speed-LANdschaft
Der Einführungsvortrag zeichnete das Panorama der derzeitigen High-Speed-LANdschaft. Nachdem anhand einiger
Anwendungsfälle der Bedarf an Hochgeschwindigkeitsnetzen skizziert wurde, lieferte der Vortrag Aussagen über die Funktionalität und die Bedeutung von FDDI, FDDI-II, FFOL, 1OOBaseX, 100VG-AnyLAN, Gigabit-Ethernet,
Isochronem Ethernet, Fibre Channel und ATM. Dabei wurde insbesondere das Isochrone Ethernet und der Fibre Channel genauer beleuchtet:
Das seit 1994 standardisierte Isochrone Ethernet (IEEE 802.9a) ist zwar
keine High-Speed-Technik, wurde jedoch aufgrund der Möglichkeit, Ethernet und isochronen Datenverkehr auf bestehender UTP-Verkabelung zu multiplexen, als mögliche moderne Alternative zu Netzen hoher Bandbreite
betrachtet. Da bisher erst wenige Hersteller IEEE 802.9a-Produkte anbieten, wird dieser Technik nur wenig Relevanz eingeräumt. Auch in Zukunft wird das Isochrone Ethernet kaum an Bedeutung gewinnen, da mit ATM eine
leistungsfähigere Technik mit isochronen Eigenschaften zur Verfügung steht und mit fortschreitender Standardisierung das Vertrauen in ATM rasch steigen wird.
Auch im Fibre Channel wurde nicht die
universelle Netzwerktechnik der Zukunft gesehen. Das Einsatzgebiet hierfür liegt vielmehr in der leistungsfähigen Kopplung von schnellen Workstations untereinander und zu peripheren Systemen hin, wie z.B. zu
Massenspeichern. Der standardisierte Fibre Channel erlaubt schon heute Datenraten von bis zu 800 Mbit/s über diverse Medien und Topologien bis zu einer Entfernung von 10 Kilometern. Diese Effizienz wird jedoch nur
erreicht, weil Fibre Channel sich auf die schnelle Datenübertragung von Sende- zu Empfangspuffer konzentriert und »unnötigen« Overhead wie Medienzugriffsverfahren, Fehlererkennung und Routing weitgehend außer acht läßt.
10 Mbit/s, 100 Mbit/s, 1 Gbit/s - wohin führt der Weg?
Dieser Vortrag beschrieb die Entwicklung vom klassischen Ethernet über die aktuellen 100-Mbit/s-Normen (100BaseFX, 100BaseTX,
100BaseT4, 100BaseT2, Demand Priority) bis hin zu den neuesten Entwicklungen und den anstehenden Standards mit 1 Gbit/s Ubertragungsrate. Die verschiedenen Techniken und Verfahren, die zum Teil technisch miteinander im
Wettstreit stehen, wurden erörtert und miteinander verglichen.
Außerdem wurden die Anforderungen an die Infrastruktur diskutiert und geeignete Strategien zur Einführung dieser Techniken dargelegt. Nachdem
der Kongreß vor einem Jahr den 100 Mbit/s-Ethernet-Techniken wegen fehlender Skalierbarkeit und fehlender Zeittransparenz nur wenig Zukunftschancen eingeräumt hatte, wurde dem Ethernet heuer eine wahre Renaissance
prophezeit (wobei hierbei nur die CSMA/CD-Techniken gemeint waren). Schließlich hat die leichte Migrierbarkeit und die günstige Preisentwicklung bereits in den letzten Monaten für eine rege Nachfrage nach
1OO-Mbit/s-Ethernet-Equipment gesorgt, und schließlich garantiert die Ergänzung um eine Bandbreite von 1 Gbit/s, daß Ethernet auch für künftige Anwendungen ausreichende Übertragungsraten bietet und spätestens Anfang
1998 auch mit einer gewissen Skalierbarkeit (10, 100, 100 Mbit/s) aufwarten kann.
High-Speed WANs
Gegenüber manch anderem Kongreß hat die High-Speed Networking Conference einen wichtigen
Aspekt nicht einfach außer acht gelassen - das Wide Area Nefwork. Für viele Anwender macht High-Speed nur dann Sinn, wenn die hohen Bandbreiten auch zur Verbindung entfernter Standorte nutzbar sind.
Der
Vortrag »High-Speed WANs« hat gezeigt, dass eine Unmenge diverser Techniken zur Verfügung stehen, wie ISDN, X.25, Frame Relay, SMDS/CBDS (Datex-M), ATM (B-ISDN), SDH, xDSL, diverse Funktechniken etc., die es bezüglich
der Kundenanforderungen, wie Bandwidth on Demand, hohe Qualität, hohe Verfügbarkeit, hohe Sicherheit, angemessener Preis, Skalierbarkeit und Migrationsfähigkeit, zu untersuchen gilt. Trotz der Kürze der verfügbaren
Vortragsdauer hat dieser Vortrag einen umfassenden Einblick in die zur Verfügung stehenden Verfahren gegeben. Es wurde aber gerade bei dieser Thematik nochmals ganz deutlich, dass man einem heterogenen Kongreßpublikum
kaum allgemeingültige Empfehlungen bezüglich der für sie optimalen Technik geben, sondern nur die individuelle Entscheidungsfindung vereinfachen kann. Da High-Speed WANs immer wichtiger und die Tarife und Angebote
aufgrund der fortschreitenden Liberalisierung des Telekommarktes immer unüberschaubarer werden, sollte sich de congresse+ fachmessen überlegen, ob diesem Thema im nächsten Jahr nicht ein eigener Kongreß gewidmet werden
kann.
ATM
Dieser Vortrag hat auf effiziente Weise die Eigenschaften und den Stand der Normierung von ATM zusammengefaßt. Die wichtigen Themen, die sich derzeit in der Diskussion
befinden, wie LANE, NHRP, MPOA, PNNI, 1-PNNI etc., wurden kurz, aber präzise erläutert.
Der Vortrag hat gezeigt, dass die ATM-Standardisierung bereits vieles vollbracht hat, daß aber wichtige Aspekte
erst im Laufe des nächsten Jahres von den Normierungsgremien verabschiedet werden und somit erst 1998 implementiert sein können. Den Stand der Dinge hat der Referent, der mit seiner Firma selbst Mitglied im ATM-Forum
ist, wie folgt zusammengefaßt:
- Classical IP: verfügbar
- Next Hop Resolution Protocol (NHRP): verfügbar
- LAN Emulation Version 1.0: verfügbar
- LAN Emulation Version 2.0: Q3/97
- Multi Protocol over ATM (MPOA) Version 1.0: Q1/97
- Private Network Node Protocol (PNNI) Version 1.0: verfügbar
- Private Network Node Protocol (PNNI) Version 2.0: Q4/97
- Integrated-PNNI: ??
- Circuit Emulation Service (CES) Version 1.0: verfügbar
- Circuit Emulation Service (CES) Version 2.0: verfügbar
- Voice and Telephony over ATM (VTOA): ??
- Frame Relay Interworkinq: verfügbar
Der Vortrag hat gezeigt, dass ATM aufgrund der Fähigkeit zur Dienste-Integration und aufgrund der flexiblen Skalierbarkeit sehr gute Aussichten im Corporate Network- und im Backbone-Bereich haben wird, daß
sich aber ein durchgängiges ATM-Konzept bis zum Endgerät wegen der relativ hohen Preise nicht durchsetzen kann. In einem Punkt waren sich alle Referenten einig: Eine universelle Netztechnologie wird es auch in Zukunft
nicht geben. Verschiedene Verfahren werden nebeneinander existieren, und je nach Anforderungen und Randbedingungen wird sich bei jedem Anwender eine andere Mischung aus verschiedenen Techniken ergeben.
Abschließend bleibt festzustellen, daß auch dieser Kongreß wieder logisch gegliedert, gut geplant und vorbildlich organisiert war. Dies dankten die Kongreßteilnehmer dem Veranstalter durch rege Teilnahme: Obwohl
zeitgleich weitere Kongresse und Events stattfanden, war die High-Speed Networking Conference mit bis zu 80 Zuhörern sehr gut besucht.