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Was ist Multimedia?

Teil 4 von 7 - Die Plattformen für multimediale Anwendungen

Zur Herstellung und Nutzung multimedialer Anwendungen bieten sich verschiedene Hard- und Software-Plattformen an. Dieser Beitrag stellt die derzeit verfügbaren Multimedia-Plattformen vor und zeigt, welche Möglichkeiten und Alternativen von den verschiedenen Herstellern angeboten werden, um multimediale Anwendungen realisieren zu können.

Von Klaus Eppele

Apples QuickTime

Bereits 1991 stellte Apple mit QuickTime eine Erweiterung der Macintosh-Systemsoftware vor, die speziell für die Behandlung zeitkritischer Daten, wie Bild- und Tonfolgen, konzipiert war. Mit dieser "Architektur für die Integration zeitbasierter Daten in die Macintosh-Hard- und Software-Umgebung" blieb Apple seiner Philosophie treu, alle Neuerungen im Bereich der Software so zu gestalten, daß diese mit allen alten Macintosh-Modellen kompatibel blieben und nicht auf eine spezielle Hardware angewiesen waren. Mit QuickTime und einem CD-ROM-Laufwerk kann man heute jeden Macintosh mit einem Prozessor vom Typ 68020 oder höher in einen Multimedia-Computer verwandeln und Videoclips wiedergeben. Eine spezielle Grafikkarte wird nicht benötigt und die notwendige Hardware zur Soundgenerierung ist in allen Macintosh-Modellen seit 1984 enthalten.

Der Vorteil dieser rein auf Software basierenden Lösung liegt in der Austauschbarkeit von multimedialen Dokumenten. Diese Austauschbarkeit, sowie eine einheitliche Oberfläche und konsistente Dateiformate für die Arbeit mit digitalisierten Videoaufnahmen, akustischen Aufzeichnungen, Animationen und anderen Multimedia-Daten, ist nicht nur zwischen Macintosh-Systemen gewährleistet; mit der der Einführung von QuickTime für Windows wurde eine Plattform-übergreifende Multimedia-Programmierschnittstelle geschaffen, die es beispielsweise erlaubt, Anwendungen auf einem Windows-PC zu erstellen und dann auf einem Macintosh-Rechner ablaufen zu lassen.

Die erzielbare Bildqualität ist von der Leistungsfähigkeit und der Ausstattung des jeweiligen Rechners abhängig. Die meisten Macintosh-Modelle ermöglichen eine Bildwiedergabe mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 15 Bildern pro Sekunde bei einer Auflösung von 160 mal 120 Bildpunkten. Um dies zu ermöglichen wurde mit QuickTime ein eigener softwarebasierter Kompressionsalgorithmus mit dem Codenamen "Roadpizza" entwickelt. Dieser Algorithmus ist dem JPEG-Verfahren (siehe Folge zwei) ähnlich, er ist jedoch schneller und von der Bildqualität etwas schlechter als JPEG. Bei der oben genannten Bildauflösung von 160 mal 120 Pixeln generiert "Roadpizza" einen Datenstrom von nur etwa 80 KByte pro Sekunde, was eine Wiedergabe von Festplatte oder CD-ROM oder eine Übertragung über Netzwerke völlig unproblematisch macht. "Roadpizza" ist skalierbar und paßt sich der vorhandenen Hardware an. Ein Time-Manager sorgt dafür, daß auch auf einem Rechner, der nicht in der Lage ist, den Datenstrom in der erforderlichen Geschwindigkeit abzuarbeiten, die Wiedergabe der verschachtelten (interleaved) Daten für Video und Audio immer synchron verläuft und Zeitprobleme dadurch gelöst werden, daß beispielsweise einzelne Bilder einer Bewegbildsequenz ausgelassen werden.

Die wichtigsten Komponenten von QuickTime sind die Movie Toolbox, der Image Compression Manager und der Component Manager. Die Movie Toolbox erlaubt Erstellen, Editieren und Wiedergabe von Bewegtbildsequenzen. Der Image Compression Manager wählt das jeweils optimale Kompressionsverfahren. Er sorgt beispielsweise dafür, daß Grafiken mit großen einheitlichen Flächen mittels der hierfür am besten geeigneten RLE (Run Length Encoding, Lauflängenkodierung) komprimert werden. Der Component Manager verwaltet externe Videoquellen und zusätzliche Hardware, wie Einsteckkarten zur hardwareunterstützten Komprimierung von Dateien.

Professionelle Anwender, die selbst multimediale Anwendungen erstellen möchten, werden am Einbau zusätzlichen Hardware nicht vorbeikommen. Wünscht man eine bessere Auflösung oder sollen Bildfolgen nicht nur abgespielt sondern auch aufgezeichnet werden, müssen entsprechende Zusatzkarten angeschafft werden. Beispielsweise kann man durch Einbau von JPEG- oder DVI-basierenden Erweiterungskarten und Austausch der Treibermodule (Codecs) die Leistungsfähigkeit von vorhandenen QuickTime-basierenden Anwendungen leicht vervielfachen, ohne diese ändern zu müssen.

Die Stärke von QuickTime liegt in seiner Offenheit für Ergänzungen und Weiterentwicklungen, der Integrierbarkeit externer Geräte und der einfachen Bedienung. Deshalb stehen dem Anwender auch viele Standardprogramme, wie HyperCard, CourseBuilder/VideoBuilder, AuthorWare, Macromind Director etc. für die Entwicklung von QuickTime-Anwendungen zur Verfügung.

Bild 1: Das wohl bekannteste Programm für die Entwicklung multimedialer Anwendungen auf          dem Macintosh ist HyperCard, das beim Kauf eines Apple-Rechners mit ausgeliefert wird. HyperCard ist eine Datenverwaltung für Text- und Bilddaten. Mittels Querverweisen kann eine nicht-lineare Beziehung zwischen Text- und Bilddaten hergestellt werden. Die zugehörige Programmiersprache HyperTalk erlaubt die Erweiterung von HyperCard um eigene Funktionen, so daß auch Animationen und Tonfolgen wiedergegeben und externe Geräte angesteuert werden können. Das Bild zeigt eine mit HyperCard erstellte Anwendung über Beethovens 9. Symphonie (Quelle: Apple)

Bild 2:  Als Entwicklungswerkzeuge für interaktive CBT-Anwendungen eignen sich CourseBuilder/VideoBuilder und Authorware Professional. Eine Kurseinheit wird einfach als Flußdiagramm durch Aneinanderreihung von Symbolen definiert und somit der Weg des Anwenders zu seinem Lernziel beschrieben. (Quelle: Apple)

DVI - Digital Video Interactive

Im Gegensatz zu QuickTime setzen Intel und IBM mit DVI auf eine hardwarebasierende Lösung. Bereits 1989 brachten sie erste DVI-Produkte, die ActionMedia-750-Karten, auf den Markt, die dem Standard-PC die Arbeit der Bilddigitalisierung und -verarbeitung abnehmen sollten. Diese Karten wurden im Oktober 1991 von der nächsten Generation, den leistungsfähigeren ActionMedia-II-Karten, abgelöst.

Bild 3: ActionMedia-II-Delivery- und Capture-Board (Quelle: Intel)

Die DVI-Hardware besteht aus einer PC-Erweiterungskarte (Delivery-Board), die um eine Zusatzplatine (Capture-Board) ergänzt werden kann. Das Capture-Board digitalisiert analoge Signalquellen wie Video und Ton und leitet die Daten dann an das Delivery-Board zur Bearbeitung weiter. Als Signalquelle kann sowohl Kamera, Bildplatte als auch Videorekorder eingesetzt werden. Das Delivery-Board ist für die Komprimierung und Speicherung oder die Wiedergabe von Video, Bildern und Audio in einer interaktiven Umgebung zuständig. Zum Entwickeln von DVI-Applikationen werden beide Karten benötigt, eine reine Wiedergabestation braucht nur das Delivery-Board. Während Delivery-Boards außer von Intel und IBM auch von verschiedenen anderen Herstellern, wie Fast Electronic oder AceCoin, zum Preis von etwa 3.500 bis 4.500 DM zu beziehen sind, ist das Capture-Board nur direkt von Intel zu bekommen. DVI steht derzeit für IBM-kompatible PCs mit 80386- oder 80486-Prozessor und ISA-Bus oder Micro-Channel, Apple Macintosh mit NuBus und SUN-Rechner zur Verfügung. Unterstützt werden die Betriebssysteme/Bedienoberflächen DOS, OS/2, Windows und System 7. Auch Laptops können um DVI erweitert werden - die Fast-Karte besitzt auch eine Option zum Anschluß an das Farb-LC-Display des Toshiba-Laptops T6400.

Bild 4: Das DVI-Board von Fast Electronic (Quelle: Fast)

DVI unterstützt drei Kompressionsalgorithmen. PIC (Picture Image Compression) für Standbilder sowie RTV-(Real Time Video) und PLV-(Production Level Video) Kompression für Bewegtbilder. Die Auflösung eines RTV-Bildes beträgt 128 mal 120 Pixel und kann durch Zeilenverdopplung und Interpolation auf  256 mal 240 Pixeln erhöht werden. PLV bietet 256 mal 240 Pixel ohne - und 512 mal 480 Pixel mit Interpolation. Während RTV-Videos vom Anwender selbst mittels der Capture-Option erstellt werden können, können PLV-Komprimierungen nur offline von Intel oder autorisierten Studios mittels Parallelrechnern realisiert werden.

Kernstück des DVI-Boards ist der programierbare i82750-Chipsatz von Intel, bestehend aus dem Pixel-Prozessor i82750PB und dem Display-Prozessor i82750DB. Die Programmierbarkeit der Chips gibt die Sicherheit, daß die verwendeten Komprimieralgorithmen jederzeit auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden können. Damit können sich DVI-Produkt im Gegensatz zu Prozessortechniken mit festverdrahteter Funktionalität flexibel an zukünftige Standards und Anwendungen anpassen.

ActionMedia-II-Produkte bieten eine flexible API-Schnittstelle (Application Programming Interface) - den Audio Video Kernel (AVK). Die mehrschichtige AVK-Architektur sorgt für den multimedialen, system- und betriebssystemunabhängigen Datenaustausch. Die Anpassungsfähigkeit an schnellere Prozessoren, neue Rechnersysteme, sich ändernde Bedienoberflächen oder Betriebssysteme wird durch AVK sichergestellt.

Aufgrund der Kompressionsrate von bis zu 160:1 können mit DVI bis zu 72 Minuten Video auf eine CD gebracht werden. Statt des Videos finden auf der Silberscheibe auch 44 Stunden Musik, 40.000 Einzelbilder oder 650.000 Seiten Text Platz.

In dubio pro Indeo

DVI hat einen Nachteil - in Relation zum PC sind Capture- und Delivery-Board relativ teuer. Dies ist wohl der Grund dafür, daß DVI nur schleppend vom Markt akzeptiert wird. Intels softwarebasierende skalierbare Videotechnologie Indeo (Intel Video) soll dieses Problem meistern helfen. Indeo ist eine neue Aufnahme- und Wiedergabetechnik für digitales Video im Computer. Mittels Indeo können digitale Videos auch ohne DVI-Prozessor aufgenommen und abgespielt werden. Der Hauptprozessor des Computers (80386 oder 80486) übernimmt die Kompression und die Dekompression der Videodaten.

Zum Abspielen von DVI-Videos braucht man nur die entsprechende Software, die bereits mehrere führende Firmen der PC-Industrie in ihre Multimedia-Produkte integriert haben: Microsoft in "Video for Windows", IBM in "Multimedia Presentation Manager/2" und Apple in "QuickTime for Windows". Außer einer Soundkarte wird keine zusätzliche Hardware benötigt. Je nach Rechenleistung des PCs müssen jedoch Abstriche an Bildrate, Auflösung oder Farbtiefe in Kauf genommen werden. Je größer die zur Verfügung stehende Rechenleistung desto mehr Videoinformation kann dargestellt werden.

Zur Erzeugung einer Videodatei nach der Indeo-Technologie kann auf zusätzliche Hardware nicht verzichtet werden. Es bieten sich zwei Methoden an: die Zwei-Schritt-Methode und das Echtzeitverfahren. Die Zwei-Schritt-Methode ist sehr speicher- und zeitintensiv. Die Videobilder werden hierbei zuerst von einer Video-Overlay-Karte digitalisiert und auf der Festplatte abgelegt. In einem zweiten Durchlauf werden die digitalisierten Einzelbilder vom 80386/486 komprimiert. Um beispielsweise eine Minute komprimierten Videofilm der Auflösung 320 mal 240 Pixel mit 24 Bit Farbtiefe zu erhalten, sind etwa 329,6 MByte Festplattenplatz zur Aufnahme der unkomprimierten Datei und laut Intel etwa 15 Minuten Rechenzeit für die nachträgliche Komprimierung nötig. Im Echtzeit- oder Ein-Schritt-Verfahren wird das Digitalisieren und Komprimieren von einer i750-basierenden Aufnahmetechnik während des Einspielens des Videosignals durchgeführt. Es wird sofort eine komprimierte Datei erzeugt, die anschließend mit oder ohne i750-Videoprozessor abgespielt werden kann.

Die Einbindung von Indeo in "Video for Windows", "Presentation Manager" und "QuickTime" sorgt für eine gute Akzeptanz, die sowohl Indeo- als auch DVI-Entwicklungen forcieren wird.

CD-I - Compact Disc Interactive

Seit Mitte 1992 bietet Philips CD-I auch in Deutschland an. Zielgruppe für dieses auf Compact Disc basierende Multimediagerät sind die etwa 65 Millionen Haushalte, die über einen Fernseher verfügen, also insbesondere der Consumer-Markt. Demgemäß gibt sich die Aufmachung eines CD-I-Spielers. Von vorne sieht er aus wie ein handelsüblicher CD-Spieler; hinten hat er zwei RS232-Schnittstellen, NTSC- und PAL-Videoausgänge und Buchsen zum Anschluß an Fernseher und HiFi-Anlage. Anstatt mit einer Tastatur bedient der Anwender den CD-I-Player mit einer Fernbedienung über einen kleinen Pfeil am Bildschirm. Trotzdem ist das CD-I-Gerät ein vollwertiger Computer mit einer Motorola 78-70 CPU, einem C-Cube-Videochip, einem MByte RAM und dem CD-I-eigenen Betriebssystem CD-RTOS (CD-Real Time Operating System). Die Spezifikation von CD-I ist von Philips und Sony als offener Standard im sogenannten "Green Book" festgeschrieben. Hier wird unter anderem festgelegt, daß CD-I kompatibel sein soll zu den im Consumer-Markt weitverbreiteten Audio-CDs, daß eine CD-I-Anwendung auf nur einer CD Platz finden soll und daß zum Abspielen keine zusätzliche Computer-Hard- oder Software benötigt werden darf. Da insbesondere der Consumer-Markt angesprochen wird, muß die Software selbsterklärend sein und nicht erst das Studium eines Handbuchs erfordern. Außerdem muß die Software sehr fehlersicher sein und vor Auslieferung mindestens 500 Stunden getestet werden.

Bild 5: Auf jedem CD-I-Player können auch Audio-CDs und Photo-CDs abgespielt werden.CD-I-Player können weltweit an jedem handelsüblichen Fernsehgerät betrieben werden. Das Bild zeigt den CD-I-220-Player von Philips. (Quelle: Philips)

CD-I bietet dem Programmentwickler große Flexibilität. Er kann wählen zwischen der parallelen Darstellung verschiedener Audioqualitäten, Bildauflösungen , stehenden oder bewegten Bildern sowie verschiedenen Bildkodiertechniken. Beispielsweise können bis zu 16 Audio-Kanäle parallel implementiert werden, was in einer international einzusetzenden Anwendung ein Umschalten zwischen verschiedenen Sprachen erlaubt.

Einziger Flaschenhals ist der Platz im Datenkanal. Daher kann die Wahl des Qualitätsniveaus und der Grad der Parallelität für einige Anwendungen entscheidend sein. Hier muß der Entwickler zwischen Disc-Kapazität, möglicher Übertragungsrate, Programmentwurf und Wiedergabequalität ausbalancieren.

Bild 6: Audio-Information kann mit unterschiedlichen Kompressionsraten gespeichert werden. Je höher die Kompression, desto schlechter die Qualität und desto länger die maximale Spieldauer der CD-I.

Damit häufig auftretende Audio-Signale, die auf bestimmte Aktionen bezogen sind, unabhängig von der aktuellen Datenrate zeitgenau wiedergegeben werden können, kann man diese als Soundmaps im Arbeitsspeicher des CD-I-Players ablegen. Bei Bedarf muß so nicht jedesmal die gesamte Audio-Information übertragen, sondern nur die Soundmap aktiviert werden.

Im Grafikbereich stehen vier verschiedene Bildkodierverfahren zur Verfügung: RGB-5:5:5, DYUV, CLUT (Color Look Up Table) und RLE (Run Length Encoding). Insgesamt lassen sich vier verschiedene Bildebenen nutzen. Die erste Ebene ist die Cursorebene, auf der ein einfarbiger Cursor definiert werden kann. Hinter dieser Ebene können eine oder zwei bildschirmfüllende Ebenen liegen, die nach dem DYUV- oder CLUT-Verfahren codiert sind. Die Hintergrundebene kann einen monochromen Hintergrund oder ein Videosignal darstellen. Full-Motion-Video kann durch Einschub einer MPEG-Nachrüstung für etwa 500 DM in den CD-I-Player integriert werden. Durch Kombination mehrerer Bildschirmebenen sowie durch viele verschiedene Einblend-, Ausblend- und Trickeffekte und der Möglichkeit, Bildschirme in Subscreens einzuteilen, bietet CD-I eine Fülle von Darstellungsmöglichkeiten.

CD-I-Anwendungen lassen sich auch im geschäftlichen Bereich einsetzen. Für etwa 3.900 DM gibt es den portablen CD-I-350, der für kleinere Präsentationen oder als Verkaufsunterstützung an den Außendienst gegeben werden kann. Außerdem gibt es spezielle CD-I-Geräte, die für professionelle Anwendungen gedacht sind, und neben einem Diskettenlaufwerk zur Aufnahme veränderlicher Daten (z.B. Verkaufspreise) auch über Erweiterungsslots verfügt, die beispielsweise die Integration eines CD-I-Players in ein lokales Netzwerk ermöglichen.

Bild 7: Der portable CD-I-Player CD-I-350 von Philips (Quelle: Philips)

CDTV und Amiga

Eine ähnliche Strategie wie Philips mit CD-I versuchte Commodore mit CDTV (Commodore Dynamic Total Vision). Ein Amiga-500 im CD-Spieler-Design ohne Maus und Tastatur, dafür aber  mit CD-ROM-Laufwerk sollte den Markt der Unterhaltungselektronik um Multimedia ergänzen. Da die Verkaufszahlen für diesen intelligenten CD-Spieler weit hinter den Erwartungen von Commodore zurückgeblieben sind hat man das Konzept in Sachen Multimedia wieder geändert: Zum einen wird mit Amiga-CDTV die Commodore Dynamic Total Vision nun als das deklariert, was es ist, nämlich als Computer, zum anderen setzt man auch auf die leistungsfähigeren Maschinen der Amiga-Familie und bietet den Amiga 4000 als Multimedia-Gerät an.

Bild 8: Der Amiga-CDTV (Quelle: Commodore)

Der Amiga-CDTV ist eine Synthese aus CD-Player und Amiga. Er kann an ein handelsübliches Fernsehgerät angeschlossen werden. Das CD-Laufwerk verarbeitet neben den CDTV-CDs auch CD-DA (Digital-Audio), CD+G (Audio-CDs mit Grafikbegleitung) und CD+MIDI (Audio-CDs mit MIDI-Informationen zur Ansteuerung externer Synthesizer). Die erforderlichen Sound- und Grafikchips sind, wie in allen anderen Amigas auch, serienmäßig integriert. Vidosequenzen können mittels des Commodore-eigenen Verfahrens CDXL eingebunden werden. CDXL erlaubt eine Wiedergabe von 16 Bildern in der Sekunde auf einem Drittel des Bildschirms. Obwohl die Bildinformation nicht komprimiert wird, kann man durch ein spezielles Verfahren von CDTV (scatter reading) bis zu 70 Minuten Video auf einer CD speichern. Mit Amiga-CDTV läßt sich das durchaus umfangreiche Software-Angebot rund um Commodore Amiga nutzen, was das Angebot an CDTV-Titeln betrifft, so beschränkt sich dieses noch immer in erster Linie auf die Kategorien: Musik, Freizeit und Hobby.

Bild 9: Der Amiga 4000/040 wird von Commodore als das zukunftssichere High-End- Multimedia-Gerät angeboten. Er bietet Spezialchips, die parallel zum Hauptprozessor Bildaufbau, Tonerzeugung und Verwaltung der rechnerinternen Kommunikation steuern sowie echtes Multitasking, offene Systemarchitektur und PAL-Fernsehnorm. (Quelle: Commodore)

SUN - Multimedia auf Workstations

Die Ausrichtung der bisher vorgestellten Multimedia-Plattformen ist in erster Linie direkt auf den einzelnen Benutzer zu sehen. Das Konzept von SUN Microsystems dagegen zielt auf Multimedia-Groupware als integrierte Unternehmenslösung. Multimedia soll nicht nur die Arbeit am Einzelplatz erleichtern, sondern der Teamarbeit im Unternehmen und der unternehmensübergreifenden Kommunikation dienen. Multiuser - Multitasking - Multimedia heißen die Schlagworte.

Um diesem Konzept gerecht zu werden, bietet SUN multimediafähige Workstations an, dient mit einer offenen Entwicklungsumgebung und bemüht sich um entsprechende Third-Party-Produkte. So bietet SUN folgende für Multimedia und Multimedia-Groupware nutzbare Komponenten: CD-ROM-Laufwerk, Ethernet-Anschluß, Multitaskingfähigkeit, Multimedia-Mail, hochauflösende Farbgrafik, Mikrophon, standardmäßig integrierte Audiofähigkeit, Integration von ISDN und Telefon, Spracherkennung, Video-Hard- und Software, Autorensysteme und Hypermedia-Tookits etc...

Bild 10: Multimedia auf der SUN-Workstation. Bildtelefon, Text, Grafik, Datenbank, Mail und Bildverarbeitung auf einem Bildschirm.

Der Multimedia PC

Der Multimedia-PC-Standard (MPC) wurde 1991 von Microsoft und einer Reihe weiterer Hersteller ins Leben gerufen, um eine allgemeingültige Basis für einen multimediafähigen Personalcomputer zu definieren. Die Mindestanforderungen an einen MPC wurden bereits in der ersten Folge dieser Serie aufgeführt. Damit jeder PC, der mindestens einen 80386-Prozessor hat, zum MPC aufgerüstet werden kann, werden verschiedene Multimedia Upgrade Kits angeboten. Ein solches Kit besteht aus einem CD-ROM-Laufwerk, einer Audio-Karte und der Windows-Multimedia-Software. Diese Software, die in Windows 3.1 bereits zum größten Teil enthalten ist, beinhaltet insbesondere Gerätetreiber für den Zugriff auf Multimedia-Geräte sowie eine Software-Schnittstelle, um Multimedia-Applikationen dieser Geräte anzusprechen. Die Datenformate sind unter der Bezeichnung RIFF (Resource Interchange File Format) definiert, die Software-Schnittstellen, durch die Multimedia-Peripherie und -Funktionen unterstützt werden, werden mit DV MCI (Digital Video Media Control Interface) bezeichnet. Digitale Videos können mittels entsprechender Hardware-Ergänzungen integriert oder rein softwarebasiert mittels Microsofts AVI (Audio Video Interleaved) eingebunden werden. AVI unterstützt derzeit eine Auflösung von 160 mal 120 Bildpunkten bei 15 Bildern in der Sekunde. Zur Entwicklung von Multimedia-Anwendungen bietet Microsoft das "Multimedia Development Kit" an, das die nötigen Werkzeuge zum Testen und Programmieren enthält.

Der MPC bietet einen preiswerten Einstieg in die Multimediawelt für einen Großteil der PC-Benutzer. Da PC-Architektur und -Betriebssystem ursprünglich nicht für multimediale Anwendungen gedacht waren, müssen jedoch erhebliche finanzielle Aufwendungen für Erweiterungen und Optimierungen getätigt werden, wenn der MPC als Basis für professionelle Anwendungen dienen soll.

Bild 11: Das MPC-Gütesiegel

IBM Ultimedia

Unter dem Begriff "Ultimedia" faßt IBM alle ihre Produkte und Services im Multimedia-Bereich zusammen. IBM hat sich nicht dem MPC-Council angeschlossen, sondern eine andere Spezifikation für die eigene Hard- und Software entwickelt, die deutlich auf einen anderen Markt zielt als auf den der privaten PC-Nutzer, die der MPC ansprechen soll. Der erste Ultimedia-PC, den IBM auf den Markt brachte, war der IBM PS/2 M57 SLC, gefolgt von den Modellen DV M57 und M77. Die Hardware unterscheidet sich insofern von der Minimalkonfiguration des MPC, als daß der CD-ROM/XA-Standard sowie ADPCM und JPEG unterstützt werden und anstatt einem Video Graphics Adapter (VGA) der eXtended Graphics Adapter (XGA) eingesetzt wird. Als Systemsoftware für Ultimedia wird OS/2 2.0 geliefert - erweitert um den Multimedia Presentation Manager/2 (MMPM/2) und einem Multimedia Developer´s Toolkit. Außerdem bietet OS/2 ein Digital Video Media Control Interface (DV MCI), das von den OS/2 Multimedia-Extensions und dem MMPM unterstützt wird und die Einbindung von digitalem Video in unterschiedlichen Formaten unterstützt, falls sie auf dieser Softwareschnittstelle aufsetzen. Mit IBM PhotoMotion kann Digitalvideo, ähnlich wie mit Microsofts AVI, ohne zusätzliche Hardware wiedergegeben werden. Programmpakete wie LinkWay, Audio Video Connection (AVC) und Audio Visual Authoring (AVA) runden das Bild ab und bieten Möglichkeiten zur Erstellung eigener Präsentationen und umfangreicher Multimedia-Anwendungen mittels derer sich auch externe Geräte ansteuern lassen.

Mwave

IBM, Texas Instruments und die Softwarefirma Intermetrics gaben im Frühjahr 1992 ihre Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines PC-Subsystems namens Mwave bekannt. Mwave basiert auf einem DSP (Digital Signal Prozessor) von Texas Instruments. DSPs sind Prozessoren, die sich besonders für die Bearbeitung multimedialer Anwendungen eignen, da sie optimiert sind, Signale in Echtzeit zu verarbeiten. DSPs werden bereits in IBM-Ultimedia-PCs eingesetzt, um sowohl Audio- als auch Videodaten zu komprimieren/dekomprimieren. Mit Mwave sollen sämtliche multimediale Verarbeitungsprozesse, für deren Ausführung heute eine Anzahl diverser Zusatzkarten benötigt werden, auf einem einzigen, hierfür optimierten Subsystem abgehandelt werden. Angestrebt ist es, die Mwave-Plattform zu einen offenen Standard für Multimedia-Computer der 90er Jahre zu machen. Intermetrics entwickelt für das DSP-System ein Multitasking-Betriebssystem, das Schnittstellen zu DOS, Windows, OS/2 und anderen Betriebssystemen bieten soll. Ein breites Spektrum multimedialer Tasks und standardisierte Verarbeitungstechniken für Sprache, Grafik und Datenübertragung sollen für Multimedia-Entwickler in einer Bibliothek bereitgestellt werden.

Sony Data Discman

Das erste "Personal Information System" für Leute unterwegs, der Data Discman DD-10 BZ wird häufig unter die Plattformen für Multimedia eingereiht. Grund dafür ist sicher, daß er seine Daten von 8-cm-CDs liest, die im CD-ROM/XA-Format beschrieben sind. Tatsächlich aber ist der DD-10 eine portable CD-ROM-Datenbank, der mit folgenden Funktionen ausgestattet ist: Optische und akustische Wiedergabe von Sprach- und Musikinformationen, Speicher für Telefonnummern, Notizen, Terminen, Weltzeit- und Normaluhr, Kalender und Taschenrechner. Der DD10 ist nicht programmierbar, das Retrieval System zur Datenbankrecherche ist im EPROM untergebracht. Der Preis für den DD10 beträgt 1.198 DM. Derzeit werden 30 sogenannte Electronic-Book-Titel für den Discman angeboten.

Bild 12: Der Data-Discman von Sony (Quelle: Sony)

Die nächste Folge

In dieser Folge wurden die wichtigsten Plattformen für multimediale Anwendungen beschrieben. Die Photo-CD und die CD-ROM/XA, die oft als eigene Plattform behandelt werden, wurden nicht aufgeführt, da diese bereits in der zweiten Folge dieser Serie unter dem Überbegriff Speichermedien diskutiert wurden. Die nächste Folge der Serie wird an einigen Beispielen die Software zur Multimedia-Entwicklung und einige Anwendungsbeispiele vorstellen.

- Fortsetzung folgt -

Literatur

  • Klaus D. Klingberg (Hrsg.), ABC der Multimedia-Technologie, Multikom-Verlags GmbH, Bergheim 1993
  • Joachim Graf, Daniel Treplin, Multimedia-Handbuch, HighText Verlag, 1993
  • Multimedia mit dem Apple Macintosh, Vorsprung durch Medienintegration, Broschüre von Apple Computer
  • W. Börner, G. Schnellhardt, Multimedia - Grundlagen, Standards, Beispielanwendungen, te-wi Verlag GmbH, 1992
  • Bernd Steinbrink, Multimedia - Einstieg in eine neue Technologie, Markt & Technik Verlag AG, 1992
  • Calogero Messina, Was ist Multimedia ?, Hanser-Verlag, 1993
  • Harald Frater, Dirk Paulißen, Das große Buch zu Multimedia, Data Becker, 1993
  • Compact Disc Interactive, Vogel-Verlag
  • Multimedia in der verteilten Informationsverarbeitung, IBM Leitlinien für verteilte Mulitmediasysteme, IBM Ultimedia, 1993
  • Klaus Eppele, Multimedia Digital mit DVI und Indeo, MM Pro Heft 3, August 1993
  • Diverses Prospektmaterial von IBM, Intel, SUN Microsystems, Commodore und Philips Consumer Electronics.

Autor

Der Autor Dipl. Inform. Klaus Eppele ist Inhaber der Firma improve marketing-training-consulting, Karlsruhe, www.improve-mtc.de.

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eMail:
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URL:
http://www.improve-mtc

Erschienen in Datacom 10/93, Seite 54 - 64