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Das neue Postleitzahlen-System

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands ist die Eindeudigkeit unseres Postleitzahlen-Systems nicht mehr gegeben. Deshalb wird zum 1. Juli 1993 ein neues, fünfstelliges PLZ-System eingeführt werden, von dem sich die Deutsche Bundespost eine bessere Übersichtlichkeit sowie eine rationellere und zuverlässigere Bearbeitung der Postsendungen verspricht.

Von Klaus Eppele

Da die bisherigen Postleitzahlen zu diesem Stichtag ihre Gültigkeit verlieren, besteht für Firmen und Institutionen mit größeren Adressdatenbeständen auf DV-Anlagen dringend Handlungsbedarf - alle Adressen müssen auf das neue System umgestellt werden.

Aufbau der neuen Postleitzahl

Die neue Postleitzahl ist ein reines Zahlensystem. Sie besteht ausnahmslos aus fünf Ziffern und beinhaltet keine Buchstaben. Die Unterscheidung „O“ für Ost und „W“ für West entfällt. Außerdem werden die Zustellamtsnummern hinter den Ortsnamen größerer Orte (Beispiel: Karlsruhe 21) in die neue Postleitzahl integriert und somit überflüssig. Dabei werden die Zustellbezirke neu geordnet und feiner gegliedert. Während heute 122 Orte aufgrund ihrer Größe in verschiedene Zustellbezirke unterteilt sind, wird es mit Einführung des fünfstelligen Postleitzahl-Systems etwa 290 Orte mit mehreren zustellbezogenen Postleitzahlen geben.

Das neue System sieht vor, daß einzelne Postfächer eine eigene Postleitzahl erhalten können. Je Ort sind hierfür bis zu 50 Postleitzahlen reserviert. Weiterhin bekommen Großempfänger oder Gruppen von Großempfängern mit mehr als 2.000 eingehenden Sendungen pro Werktag eine eigene Postleitzahl zugewiesen.

Die ersten beiden Stellen der neuen Postleitzahl definieren die Region. Die drei folgenden Stellen benennen die Stadt bzw. die  Gemeinde und dort die Postfachschränke, die Großkunden und die Zustellbezirke.

Bild 1: Exemplarischer Aufbau des neuen PLZ-Systems

Postfachinhaber sollen durch diese Vorgehensweise schneller bedient werden können. Zudem ergeben sich durch die einfachere Logik des neuen Systems und damit der Anschriften Vorteile bei der maschinellen Bearbeitung.

Vorgehensweise bei der Umstellung

Die Deutsche Bundespost schlägt in Ihrer Informationsschrift „Vorgehensmodell für die maschinelle Umstellung von Adreßdateien auf die neuen fünfstelligen Postleitzahlen“ (zu beziehen von: Deutsche Bundespost Postdienst, Generaldirektion, Postfach 3000, W-5300 Bonn 1) folgende Vorgehensweise für die rechnergestützte Umstellung von Straßen- und Postfachadressen vor:

Im ersten Schritt sollte ein Datenabgleich aller Orts- und Straßennamen im Adressdatenbestand mit der amtlichen Schreibweise stattfinden. Mit diesem Abgleich kann bereits heute begonnen werden. Entsprechende Dateien für derzeit 122 Orte stellt die

Deutsche Bundespost bereits zur Verfügung. Bis zum Erscheinen dieses Beitrags in Computern im Handwerk sollen Dateien für den Abgleich aller Orte mit komplettem Straßenverzeichnis zur Verfügung stehen. Dieser Schritt ist dringend erforderlich, damit der Zurückweisungsanteil bei der maschinellen Umstellung auf die neue Postleitzahl reduziert wird.

Im zweiten Schritt muß die Datenstruktur für die Umstellung von alten zu neuen Adressen in einem Standardformat aufgebaut werden.

Der genaue Satzaufbau für die Umstelldateien ist aus oben genannter Schrift zu entnehmen. Vorgesehen ist hier beispielsweise, daß die alte Leitangabe (d.h. W/O-Kennzeichen plus vierstelliger Postleitzahl) als Referenz beibehalten wird, daß die neue fünfstellige Postleitzahl als zusätzliches alphanumerisches Feld zu vereinbaren ist, daß Hausnummern mit Zusatz (Beispiel: 64a) in den numerischen Teil der Hausnummer (64) und den Hausnummernzusatz (a) aufgetrennt und in unterschiedlichen Feldern gespeichert werden, daß Zusatzbezeichnungen zum Ortsnamen (Beispiel: öam Mainö in „Frankfurt am Main“) in einem separaten Feld hinterlegt werden, etc.

Danach muß der Umstell-Algorithmus für Straßen- und Postfachanschriften programmiert und getestet werden, wobei die Verbindung zu den von der Deutschen Bundespost erhältlichen Orts- und Straßendateien herzustellen ist. Testdaten zur Prüfung der Programme auf Lauffähigkeit stehen seit einigen Wochen kostenlos zur Verfügung. Die endgültigen Originaldaten können  voraussichtlich ab Februar 1993 über die Deutsche Postreklame bezogen werden. Diese Daten stehen auf verschiedenen Datenträgern zur Verfügung (Magnetband, CD-ROM, etc.) und sind im Gegensatz zu den Testdaten kostenpflichtig. Für Februar ist auch die Herausgabe eines Handbuches über den Buchhandel für PC-Anwender/Programmierer geplant, das Programmiertools und Standardprogramme für die Umstellung bereitstellen soll.

In Bild 2 wird beispielhaft der logische Ablauf für die Umstellung von Straßen-Adressen auf die neue Postleitzahl gezeigt. Im Bild werden einige der von der DBP zu beziehenden Dateien benannt. Jede Datei unterstützt hierbei bestimmte Funktionen bei der Adressumstellung. Die Datei „ORTARDA“ wird beispielsweise genutzt, um den aktuellen Ortsnamen aus historischen Ortsnamen oder Postanstaltsbezeichnungen herauszufinden (Beispiel: Zuordnung des  Begriffs Karlsuhe-Knielingen -> Karlsruhe); die Datei „STRADA“ wird unter anderem benötigt, um den Straßenabschnitt in dem eine Hausnummer liegt zu identifizieren und somit bei langen Straßen den richtigen Zustellbezirk und damit die richtige Postleitzahl zu finden.

Bild 2: Logischer Ablauf für die Umstellung von Straßen-Adressen auf die neue Postleitzahl

Der vierte und kritischste Schritt ist die Durchführung der Adressumstellung. Drei Vorgehensweisen sind hier denkbar:

  1. „Crash“-Umstellung in der Nacht zum 1. Juli 1993.
  2. Kontinuierliche Umstellung ab Vorhandensein der endgültigen Originaldaten der DBP in einer Kopie der operationellen Adressdatei (Schattenbestand).
  3. Kontinuierliche Umstellung direkt in einer erweiterten operationellen Adressdatei.

Methode eins hat den Vorteil, daß man die alte Postleitzahl einschließlich der Erweiterung W/O mit der neuen Postleitzahl  überspeichern kann, also keine neuen Felder für die neue Postleitzahl benötigt. Außerdem können die Adressdaten mit der alten Postleitzahl bis zum 30. Juni 1993 gewartet werden. Diese Methode ist aber relativ risikoreich und sollte nur gewählt werden, wenn die Adressqualität sehr hoch ist, also vorher alle Adressen wie oben beschrieben abgeglichen wurden, und vorher mehrere erfolgreiche Testumstellungen durchgeführt wurden.

Auch bei der zweiten Methode kann das existierende Postleitzahlenfeld mit der neuen Postleitzahl überschrieben werden, da die neue Adressdatei kontinuierlich bis zum 1. Juli als Schattenbestand erstellt wird. Als zusätzlicher Speicherbedarf ist hier nur eine 1-Byte-Kennung vorzusehen, mit der die bereits in den Schattenbestand übertragenen Adresssätze gekennzeichnet werden. Der große Vorteil dieser Methode ist, daß sie weniger risikobehaftet und weniger zeitkritisch als Methode eins ist.

Methode drei hat dieselben Vorteile wie Methode zwei, sie führt  jedoch zu einem erhöhten Speicherbedarf, da für die neue Postleitzahl ein zusätzliches Feld vorgesehen werden muß.

Ganz gleich welche Methode genutzt werden soll, ein gewisser Prozentsatz von Adressen wird sicher nicht maschinell umstellbar sein und manuelle Nachbearbeitung erfordern.

 

Autor

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Dipl. Inform. Klaus Eppele
Heinrich-Weitz-Str. 31
76228 Karlsruhe
Tel: 07 21 / 94 74 621
Fax: 07 21 / 94 74 622
eMail:
eppele@improve-mtc.de
URL:
http://www.improve-mtc.de

Erschienen in Datacom 03/93, Seiten 186 - 187