Viele Firmen stehen
vor der Frage, wie sie die Rechnernetze verschiedener Firmenstandorte miteinander verbinden sollen. Wenn mehrere technische Alternativen für die geplante Netzverbindung zur Verfügung stehen, wird man sich in der Regel
für die kostengünstigste entscheiden. Für alle Standorte, die nicht weiter als 25 km voneinander entfernt sind, kann eine Verbindung über Richtfunk die optimale Lösung sein.
Richtfunksysteme arbeiten heute
üblicherweise in den Frequenzbereichen von 23 GHz bis 38 GHz. Für Entfernungen von bis zu fünf Kilometern sind die verfügbaren Richtfunksysteme mit 38 GHz optimal geeignet; für größere Entfernungen bis 25 Kilometer
installiert man üblicherweise Systeme mit einer Frequenz von 23 GHz. Da es sich bei Richtfunk nicht um ein Broadcastmedium, sondern um eine gerichtete Informationsübertragung mit keulenförmiger Ausbreitung handelt,
können unter gewissen Randbedingungen Frequenzen mehrfach vergeben werden. Koordiniert wird die ganze Sache von zentraler Stelle vom BAPT, dem Bundesamt für Post und Telekommunikation. Das BAPT sorgt dafür, daß die
verschiedenen Funkfelder nicht interferieren.
Ein großer Vorteil der Richtfunkstrecken ist die schnelle Realisierbarkeit. Das benötigte Equipment, bestehend aus Parabolantenne mit 30, 60 oder 120 cm Durchmesser,
Funkeinheit (Outdoor Unit), Anschlußkasten (Indoor Unit) und Router zum Anschluß des LANs, ist schnell installiert. Aufwendiges Verlegen von Kabeln, bzw. die meist langen Wartezeiten bis zur Bereitstellung und
Freischaltung einer DDV entfallen. Allein dieser Aspekt kann ausschlaggebend dafür sein, sich für Richtfunk zu entscheiden. Zeit ist schließlich Geld und Beeinträchtigungen von Geschäftsabläufen aufgrund fehlender
Kommunikationsmöglichkeiten können in der Regel nicht hingenommen werden.
Vor allem unter ökonomischen Gesichtspunkten ist Richtfunk ein geradezu ideales Medium. Nach einmaligen Installationsaufwendungen fallen im
laufenden Betrieb nur verhältnismäßig geringe Kosten an. Die monatlichen Gebühren, die an das BAPT zu zahlen sind, sind im Vergleich zu den Kosten von DDVs verschwindend gering. Auch der Betrieb und die Wartung sind
nicht teuer. Beträgt doch die Mean Time Between Failure (MTBF) moderner Kurzstreckenrichtfunksysteme 15 Jahre!
Außerdem zeichnen sich Richtfunkverbindungen durch eine hohe Verfügbarkeit von über 99,99 Prozent aus.
Diese hohe Betriebssicherheit wird erzielt, wenn man nach Ausmessen des Funkfeldes die optimale Feldstärke ermittelt und nach Auswerten der Wetterdaten vergangener Jahre die Anlage richtig kalibriert. Schließlich soll
die Kommunikation bei Regen oder Schnee genauso zuverlässig funktionieren wie bei klarem Himmel.
Wenn die Verfügbarkeit von 99,99 Prozent nicht ausreicht, kann man selbstverständlich auch für Richtfunkstrecken
Redundanzkonzepte installieren. Zwei Möglichkeiten bieten sich an:
- Eine 1+1 Schaltung für die Richtfunkstrecke. Hierbei wird jede Funkeinheit redundant ausgelegt, so daß bei deren Ausfall innerhalb weniger Mikrosekunden die volle Datenrate über das jeweilige Ersatzgerät zur
Verfügung steht.
- Eine Backup-Schaltung über eine ISDN-Wählverbindung. Der Ausfall der Richtfunkstrecke wird hierbei selbständig vom installierten Router erkannt, der sofort eine - oder bei Bedarf mehrere - Verbindungen zum
entfernten Router über ISDN aufbaut.
Richtfunkstrecken sind somit eine ernstzunehmende Alternative für schnell zu realisierende, preiswerte und zuverlässige Verbindungen entfernter LANs.
Bild: Mittels Umlenkspiegel ist eine Netzkopplung via
Richtfunk auch einsetzbar, wenn keine direkte Sichtverbindung besteht.