Bis dahin ist allerdings noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Viele Firmen und
Institutionen betreiben heute noch klassische private Netze: Von der Firmenzentrale zu den stark frequentierten Zweigniederlassungen sind Standleitungen geschaltet; die SOHOs/ROBOs (Small Offices, Home Offices / Remote
Offices, Branch Offices) und die mobilen Benutzer wählen sich bei Bedarf z.B. über ISDN-Wählverbindungen in die Firmenzentrale ein.
Dabei ist es doch weitaus effizienter, statt dessen das weltweit verfügbare Internet
für die gesamte Firmenkommunikation einzusetzen. Anstatt teurer Mietleitungen muss man je Standort nur noch die Verbindungskosten zum nächsten POP (Point of Presence) und die monatliche Gebühr an den ISP (Internet
Service Provider) bezahlen. Die daraus resultierende Kostenersparnis ist enorm. Experten sprechen von Einsparungen von 20 bis 60 Prozent. Daneben hat die Kommunikation über das öffentliche Internet weitere Vorteile:
Redundante Verbindungen stehen implizit zur Verfügung, neue Kommunikationsbeziehungen zu beliebigen Partnern sind schnell zu realisieren und die Verantwortung für die Verfügbarkeit und die Einhaltung der QoS (Qualitiy
of Service) sowie der laufenden Modernisierung des Netzes durch Integration innovativer Techniken obliegt dem ISP.
Einzig der Sicherheitsgedanke lässt noch viele Anwender vor diesem Szenario zurückschrecken: Denn das
Internet ist ein öffentliches Netz in dem es von Hackern nur so wimmelt. Das bestätigen auch viele Untersuchungen, wie z.B. die Studie "Computer Crime and Security Survey", die jährlich von CSI (Computer
Security Institute) und FBI bei etwa 250 großen amerikanischen Unternehmen und Institutionen durchgeführt wird. CSI und FBI fanden heraus, daß bei 59 Prozent der befragten Unternehmen im Jahre 1999
Datenschutzverletzungen über das Internet initiiert wurden.
Security first
Wer vertrauliche Daten über öffentliche Netze übertragen möchte, muß sich um verschiedene Sicherheitsaspekte kümmern. Dies sind:
Access Security: Schutz der lokalen Systeme vor unerlaubtem Zugriff von außen.
- Content Security: Schutz der lokalen Anwendungen vor schädlichen Inhalten, wie Viren oder Trojaner.
- Authentication Security: Sichere Identifikation des Kommunikationspartners.
- Crypto Security: Schutz der Daten bzgl. Vertraulichkeit und Integrität durch Verschlüsselung.
Da fast alle Firmen bereits an das Internet angeschlossen sind, sorgen bereits vielerorts Firewalls und Viren-Scanner für die nötige Access- und Content-Security. Wer nun aber auch die gesamte Firmenkommunikation auf
das Internet abbilden will, der sollte sich auch um Authentication- und Crypto-Security bemühen und ein VPN aufbauen.
Auf ins virtuelle Netz
Ein VPN ist ein privates Netz, das auf der Basis einer öffentlichen
Netzinfrastruktur gebildet wird. Dies erreicht man durch Tunneling. Die zu übertragenden Datenpakete werden als Nutzdaten in ein anderes IP-Paket verpackt, über das Internet übertragen und vom Empfänger wieder
ausgepackt. Dazu wird das ursprüngliche Datenpaket mit einem zusätzlichen IP-Header und den Protokollinformationen des verwendeten Tunneling-Protokolls versehen. Dieses Verfahren realisiert virtuelle Standleitungen
durch das Internet und sorgt dafür, daß die Daten quasi in einer uneinsehbaren Röhre durch das öffentliche Netz geleitet werden. Somit hat der Hacker 1 in Bild 1 keine Chance, auf die Daten zuzugreifen.
Mittels der
VPN-Technologie sollten nur Netze mit ähnlichem Sicherheitsniveau verbunden werden. Verbindet man nämlich ein hochsicheres LAN, in dem alle Mitarbeiter eine definierte Sicherheitspolitk genau befolgen, mit einem LAN, in
dem keine Sicherheitsstrategie festgeschrieben ist und jeder Mitarbeiter sein eigenes Modem installieren darf, könnte sich ein Eindringling (Hacker 2 in Bild 1) Zugang zum unsicheren Netz verschaffen und von dort aus
über eine vertrauenswürdige VPN-Verbindung in das sichere Netz vordringen.
Bild 1: Angriffsversuche auf ein VPN
Abhängig vom Provider?
Viele Netzadministratoren outsourcen das Thema VPN und beauftragen ihren ISP mit der
Realisierung. Das hat den Nachteil, daß die sichere virtuelle Standleitung nur im Internet aufgebaut wird und der Anwender selbst die letzte Meile zum ISP sichern muß. Hierzu
verwendet man die gewohnten Sicherheitmechanismen der klassischen privaten Netze, wie CLID (Calling Line Identification), Call-Back und PAP/CHAP (Password Authentication
Protocol / Challenge Handshake Authentication Protocol).
Provider-unabhängige VPN-Realisierungen erlauben dagegen Ende-zu-Ende-Tunnel zwischen
den Standorten und die Integration mobiler Clienten. Dazu muß man an jedem Standort ein VPN-Gateway installieren und die Notebooks der mobilen Nutzer mit einer
VPN-Client-Software versehen. Es wird empfohlen, keine All-In-One-Systeme zu installieren, die Firewall und VPN-Gateway vereinen. Denn ein mehrstufiger Aufbau (siehe Bild 2) ist
performanter und stellt keinen Single Point of Failure dar. Ein Sicherheitskonzept, das auf mehreren getrennten Systemen basiert, die von unterschiedlichen Herstellern kommen und
auf verschiedenen Betriebssystemen laufen, macht potentiellen Eindringlingen das Leben erheblich schwerer.
Bild 2: Provider-unabhängiges VPN mit mehrstufigem Aufbau
Layer 2 oder Layer 3?
Für den VPN-Aufbau stehen mehrere Tunneling-Protokolle zur Verfügung. Man unterscheidet zwischen VPNs mit Layer-2-Tunneling und VPNs mit Layer-3-Tunneling. Layer-2-Tunneling
bieten die Protokolle PPTP (Point to Point Tunneling Protocol), L2F (Layer 2 Forwarding) oder L2TP (Layer 2 Tunneling Protocol). Layer-3-Tunneling wird meist mit IPSec realisiert. Beim
Layer-2-Tunneling werden Frames der OSI-Schicht 2, meist PPP-Frames, in IP-Pakete gepackt. Dies ist die übliche Methode, um auch Nicht-IP-Protokolle zu tunneln. Beim
Layer-3-Tunneling werden dagegen IP-Pakete als Nutzdaten neuer IP-Pakete verschickt (Bild 3).

Bild 3: Unterschied zwischen Layer-2- und Layer-3-Tunneling
PPTP wurde ursprünglich von Microsoft und Ascend entwickelt und ist aufgrund seiner
Integration in Windows weit verbreitet. Es handelt sich um eine Erweiterung des Point to Point Protokolls (PPP). PPTP ermöglicht die Protokoll-transparente Übertragung von IP-, IPX-
und NetBUI-Paketen. Die einzelnen Pakete werden in eine modifizierte Form des Generic Routing Encapsulation Protocol Version 2 (GREv2) verpackt und zum Network Access Server
(NAS) des ISP transportiert. Die Datenverschlüsselung erfolgt nach dem RC4-Verfahren von Ronald Rivest mit Schlüssellängen von 40 oder 128 Bit. Eine Paket-Integritätsrüfung ist nicht
implementiert. Je Kommunikationspaar kann nur ein Tunnel aufgebaut werden. Zur Authentisierung dient PAP/CHAP; eine Authentisierung der Tunnelenden ist jedoch nicht
vorgesehen. In PPTP sind keine Key-Management-Protokolle implementiert und PPTP ist nicht standardisiert. Der alte RFC Draft (draft-ietf-pppext-pptp-00) ist inzwischen "expired".
L2F wurde von Cisco, Nortel und Shiva entwickelt. Eine Multiplex-ID und eine Client-ID im L2F-Header erlauben den gleichzeitigen Betrieb mehrerer Tunnel und innerhalb jedes Tunnels
mehrere parallele Verbindungen. Unterstützt werden Punkt-zu-Punkt und Punkt-zu-Mehrpunkt-Verbindungen. Neben PPP kann man mit L2F auch SLIP (Serial Line Internet Protocol) tunneln. Die Authentisierung erfolgt über ein
Challenge-Handshake-Verfahren. Eine Verschlüsselung der Daten ist nicht vorgesehen. L2F kann über unterschiedliche Paketnetze transportiert werden, etwa X.25, Frame Relay oder
ATM. Der zugehörige RFC 2341 hat den Stand "historic".
L2TP vereint die Vorteile von PPTP und L2F. Eine Tunnel-ID im L2TP-Header erlaubt den
Betrieb multipler Tunnels. L2TP ist ein Proposed Standard nach IETF RFC 2661. NAT (Network Address Translation) wird unterstützt. Verschlüsselung ist nicht definiert.
IPSec
IPSec (IP Security) ist ein Layer-3-Tunneling-Protokoll. Da es ein höheres Maß an Sicherheit bietet, wird es die Layer-2-Protokolle langfristig als VPN-Standard ablösen. IPSec ist für IPv4
definiert und fester Bestandteil von IPv6. Es handelt sich bei IPSec um ein Rahmenwerk verschiedener Normen (RFC 1825-1829, bzw. 2401-2412) das festlegt, mit welchen
Ergänzungen das Internet Protokoll die Integrität und die Vertraulichkeit der Daten sowie die Authentizität der Teilnehmer garantieren kann. Wesentliche Design-Ziele bei der IPSec-Definition waren,
- daß sich IPSec transparent gegenüber den Applikationen verhält und somit leicht in bestehende Netze integriert werden kann,
- daß keine Festlegung auf bestimmte Verschlüsselungsverfahren erfolgen muß,
- daß für die Authentisierung und die Verschlüsselung unterschiedliche Protokolle zum Einsatz kommen, die unabhängig voneinander oder zusammen eingesetzt werden können und
- daß es grundsätzlich möglich ist, IPSec künftig um weitere Protokolle zu ergänzen.
Die Datenintegrität und die Authentisierung des Datenursprungs wird mittels des Authentication Headers (AH) erreicht. Der AH-Header schützt die Daten und einige
Header-Teile des zu übertragenden IP-Pakets vor Verfälschung. Dazu wird mittels bekannter Hash-Funktionen wie MD-5 (Message Digest) oder SHA-1 (Secure Hashing Algorithmus) eine
Prüfsumme aus der IP-Payload gebildet und im AH-Header an den Empfänger übertragen. Wenn dieser die selbe Prüfsumme aus dem empfangenen Paket errechnet ist sichergestellt,
daß die Nachricht während der Übertragung nicht verändert wurde und nur von dem Absender stammen kann, der den geheimen Schlüssel für das gewählte Authentisierungsverfahren kennt.
Man unterscheidet den AH-Transport- und den AH-Tunnel-Modus. Im Transport-Modus wird der AH-Header zwischen IP-Header und den Headern der Transportschicht eingefügt und
somit die IP-Payload gesichert. Beim Tunnel-Modus wird eine Prüfsumme aus fast dem gesamten ursprünglichen Paket gebildet. Der AH-Header wird in diesem Fall dem
ursprünglichen Paket vorangestellt und mit einem neuen IP-Header versehen. Ausgenommen von der Prüfsummenbildung sind einige Felder, wie TOS (Type of Service), TTL (Time to Live),
Header-Checksum etc.. Im Tunnel-Modus enthält das innere IP-Paket im IP-Header die Source- und Destination-Adressen der miteinander kommunizierenden Rechner. Der äußere
IP-Header enthält die IP-Adressen der Tunnelendpunkte (siehe Bild 4).
Bild 4: Authentication Header Format im Transport- und im Tunnel-Modus
Der AH-Header (Bild 4) enthält als wichtigsten Bestandteil die Prüfsumme (Authentication
Data). Das Prüfsummenfeld ist von variabler Länge, da je nach verwendetem Prüfsummenverfahren unterschiedlich lange Prüfsummen gebildet werden. MD-5 erzeugt eine
Prüfsumme der Länge 128 Bit, die Prüfsumme bei SHA-1 ist 160 Bit lang. Außerdem kann optional eine Sequenz-Nummer hinzugefügt werden, die die Datenpakete von 0 bis 232-1
durchnummeriert. Somit können Replay-Attacken verhindert werden. Man kann also erkennen, wenn Datenpakete kopiert und zu einem späteren Zeitpunkt erneut übertragen
werden, mit der Absicht, den Empfänger zu irritieren oder zu einem späteren Zeitpunkt ein falsches Verhalten auszulösen. Der Security Parameter Index (SPI) ist ein weiterer
wesentlicher Bestandteil des AH-Headers. Er beschreibt die ausgehandelten Sicherheitsparameter, wie das aktuell gültige Verfahren zur Verschlüsselung oder die
Gültigkeitsdauer des Schlüssels. Zusammen mit der IP-Adresse definiert der SPI die Security Association (SA), die für jede unidirektionale Verbindung die zugehörigen Sicherheitsmechanismen beschreibt.
Verschlüsselung in IPSec
Der Encapsulation Security Payload Header (ESP) sorgt für die Vertraulichkeit der Daten. Er ist ähnlich dem AH-Header aufgebaut. Neben der Festlegung des
Verschlüsselungsalgorithmus kann ESP auch die Authentisierung der Daten übernehmen. ESP kann wie AH im Transport- und im Tunnel-Modus betrieben werden (Bild 5).
Bild 5: Der ESP-Header sorgt für die Vertraulichkeit der Daten
Der Transport-Modus hat den Nachteil, daß jede Station im VPN IPSec beherrschen muß. Außerdem kann ein Angreifer erkennen, welche Stationen miteinander kommunizieren. Im
Tunnel-Modus ist dies nicht der Fall. Hier können dedizierte IP-Gateways die Umwandlung in IPSec-Pakete realisieren. Eine Neukonfiguration der verbundenen LANs ist nicht nötig.
Allerdings werden die Pakete im Tunnel-Modus bei gleichzeitiger Anwendung von AH und ESP um über 60 Byte verlängert. Bei großen Paketen ist somit eine Fragmentierung der
Pakete nötig, was zu zusätzlichem Verwaltungsaufwand und Performance-Einbußen führt.
Zur Verschlüsselung wird häufig DES (Data Encryption Algorithumus) oder Triple-DES
eingesetzt. DES ist ein symmetrischer Blockchiffrieralgorithmus. Die Symmetrie bezieht sich darauf, daß zur Codierung und zur Decodierung derselbe Schlüssel verwendet wird.
Blockchiffrierung bedeutet, daß man den Klartext in eine Folge von Blöcken fester Länge zerlegt und dann jeder Klartextblock mit Hilfe derselben Abbildung verschlüsselt. Das
DES-Verfahren wurde von IBM entwickelt und 1977 vom National Bureau of Standards normiert. Man unterscheidet zwei Betriebsarten, den ECB-Modus und den CBC-Modus. Im
ECB-Modus (Electronic Code Book) wird genau ein Schlüssel verwendet, um die Klartextblöcke der Länge acht Byte in Chiffretextblöcke zu chiffrieren. Jeder Chiffretextblock
hängt in diesem Modus nur von dem zugehörigen Klartextblock ab. Zum Entschlüsseln kann auf jeden der chiffrierten Blöcke wahlfrei zugegriffen werden, um ihn dann unabhängig von
allen anderen zu entschlüsseln. Im CBC-Modus (Cipher Block Chaining), der bei IPSec Anwendung findet, wird der definierte Schlüssel nur zur Verschlüsselung des ersten
Textblockes verwendet. Zur Verschlüsselung aller weiteren Textblöcke setzt man dann den jeweils vorangehenden Chiffretextblock als Schlüssel ein. Dieses Verfahren hat den Vorteil,
daß die Reihenfolge der Blöcke bei der Dechiffrierung nicht verfälscht werden kann und ein absichtlicher Austausch von Chiffreblöcken bei der Übertragung bemerkt wird. DES verwendet
eine Schlüssellänge von 56 Bit. Es stehen somit 2 hoch 56, also über 76 Billiarden Schlüssel zur Verfügung. Triple-DES verwendet das DES-Verfahren dreimal hintereinander mit zwei
(EDE-2) oder mit drei (EDE-3) verschiedenen Schlüsseln. Bei der EDE-3-Variante wird mit Schlüssel 1 verschlüsselt, dann wird mit Schlüssel 2 dekodiert und schließlich mit Schlüssel
3 nochmals chiffriert. Die effektive Länge des Schlüssels beträgt somit 168 Bit.
Asymmetrische Verfahren wie RSA (benannt nach den Entwicklern Rivest, Shamir und
Adleman) verwenden zwei Arten von Schlüssel: Einen öffentlichen Schlüssel zur Verschlüsselung und einen geheimen, privaten Schlüssel zur Entschlüsselung.
Während es heute DES-Chipbausteine gibt, die sehr effizient Datenraten von bis zu 1 Gbit/s "on the fly" verschlüsseln können, sind asymmetrische Verfahren relativ langsam und
benötigen zudem sehr lange Schlüssel. Aus diesem Grund dienen diese Verfahren nicht zur Verschlüsselung von Nutzdaten, sondern zum Austausch von Schlüsseln für symmetrische Verfahren und zur digitalen Unterschrift.
IPSec erlaubt auch noch andere Verschlüsselungsalgorithmen wie IDEA (International Data Encrytion Algorithm) oder Blowfish. Wichtig ist, daß man auf starke Verschlüsselung, also
Schlüssellängen größer 56 Bit, achtet. Denn wie Bild 6 zeigt, hat eine aktuelle Untersuchung der RSA Laboratories ergeben, daß ein symmetrischer 56-Bit Schlüssel mit einem
Rechner-Equipment im Wert von 20 Mio. DM bereits in nur fünf Minuten geknackt werden kann.
Bild 6: 56 Bit-Schlüssel kann man in relativ kurzer Zeit errechnen
Weiterhin sollte man sicher sein, daß keine Schlüsselhinterlegung stattfindet. Denn in den
letzten Jahren wurden eine Vielzahl von Key Recovery Mechanismen entwickelt. Alle großen Hersteller haben sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und zum Teil entsprechende
Verfahren implementiert. Während manche Firmen ganz offen über das Thema sprechen, halten sich andere total bedeckt. Es ist bekannt, daß bestimmte amerikanische Hersteller
beispielsweise bei Verwendung eines 64 Bit Schlüssels jeweils 24 Bit hinterlegen. Andere Hersteller benutzen zwar lange Schlüssel, füllen aber die höherwertigen Bit mit Nullen oder
Einsen auf oder verwenden Teilschlüssel, die leicht zu dechiffrieren sind. Wiederum andere Hersteller stellen die Key Recovery als besonderes Feature dar, das es erlaubt, daß zum
Beispiel der Firmenleiter einen generellen Nachschlüssel für verschlüsselte Mails der Mitarbeiter einbauen kann, oder daß die Möglichkeit besteht, verlorene Schlüssel für
gespeicherte Daten wiederzugewinnen. Allerdings sind diese Produkte von vornherein mit Vorsicht zu genießen. Wenn nämlich Hintertürchen ganz offensichtlich existieren, kann man
nie mit Gewissheit sagen, von wem diese genutzt werden. Weiterhin ist es denkbar, daß in gewissen Produkten die Zufallszahlen, die für die Kryptographie eingesetzt werden, nicht
ganz zufällig sind. Institutionen wie die NSA (National Security Agency) könnten in so einem Fall mittels Brute-Force-Attacken den Schlüssel herausfinden, weil sie nicht den kompletten
Zahlenraum, sondern nur eine Teilmenge davon ausprobieren müßten, um einen Schlüssel zu knacken.
Bild 7: Das VPNgateway compact der CONWARE Netzpartner GmbH, Karlsruhe. Wer starke
Verschlüssellung ohne Hintertürchen wünscht, setzt auf Produkte, die in Deutschland entwickelt und hergestellt werden.
Kein Wunder also, daß deutsche Anwender gerne zu deutschen Produkten greifen, wenn es
um das Thema Security geht. Nach einer vom Bundesministerium für Wirtschaft beauftragten Studie, die im Mai 2000 vom Wissenschaftlichen Institut für Kommunikationsdienste (WIK)
und der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) veröffentlicht wurde, liegt der Marktanteil deutscher Securtiy-Unternehmen an der deutschen Krypto-Wirtschaft bei
derzeit 50 Prozent. Amerikanische Produkte genießen gerade einmal das Vertrauen von 25 Prozent der deutschen Anwender.
Stellvertretend für die deutschen Bestrebungen in diesem Bereich sei hier auf die Firma
CONWARE Netzpartner GmbH verwiesen. Das Karlsruher Security-Unternehmen vereint unter dem Markennamen SecuWare aufeinander abgestimmte Produkte, Lösungen und
Dienstleistungen zum Aufbau und Betrieb sicherer Netze. SecuWare gliedert sich in die drei Bereiche SecuStructure, SecuAccess und SecuControl. SecuStructure realisiert eine sichere
Netzinfrastruktur, SecuAccess sichert Datenübertragung und Netzzugang und SecuControl sorgt für die sichere Verteilung, Ablage und Organisation von Daten. Die CONWARE-Produke VPNswitch, VPNgateway
und VPNclient zum Aufbau sicherer virtueller privater Netze arbeiten alle mit starker Verschlüsselung ohne Schlüsselhinterlegung.
Internet Key Exchange
IPSec beschreibt auch Verfahren zum gesicherten Austausch von Schlüsseln und Security Parametern über öffentliche Netze. Die notwendigen Rahmenrichtlinien zum Key Management
liefert das Internet Security Association and Key Management Protocol (ISAKMP/Oakley). In einem zweiphasigen Verbindungsaufbau werden die Security Associations ausgehandelt und
die Gegenstellen authentisiert. Phase 1 erzeugt eine sichere Verbindung (ISAKMP-SA) über die die Sicherheitsparameter ausgehandelt werden können. Dazu werden die Parameter zur
Berechnung eines Master-Keys mittels des Diffie/Hellmann-Algorithmus ausgetauscht und die Gegenstellen authentisiert. Phase 2 definiert dann allgemein verwendbare SAs zur Übertragung der Nutzdaten.
Der Weltmarkt für VPNs wird lt. Infonetics bis zum Jahre 2004 auf 40 Mrd. US-Dollar anwachsen. Dabei wird bereits für dieses Jahr ein VPN-Umsatz von 6,3 Mrd. US-Dollar
prognostiziert. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung werden IPSec-Produkte haben, da IPSec bereits die wesentlichen Security-Mechnismen definiert und die IETF (Internet
Engineering Task Force) an weiteren Verbesserung und Ergänzungen arbeitet. So ist beispielsweise derzeit die Arbeitsgruppe "IPSec Remote Access (ipsra)" damit beschäftigt,
die Client-Konfiguration und -Authentisierung zu standardisieren, um eine Verbesserung der Interoperabilität zu erzielen.
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