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Ein neuer Standard bringt Wireless LANs in Fahrt

Drahtlos in die Zukunft

Wireless LANs zählen zu den wichtigsten Netzwerkentwicklungen der letzten Jahre. Die WLAN Technologie eignet sich hervorragend, um kleine Büros schnell und ohne Verkabelungsarbeiten zu vernetzen, oder um bestehende, kabelgebundene Netzwerke um weitere stationäre oder mobile Anwender zu erweitern. WLANs werden auch immer häufiger im Outdoor-Bereich installiert. Hier lösen sie teuere Standleitungen ab oder realisieren sogenannte „Hot Spots“, an denen man sich in Hotels, Biergärten oder Flughäfen per Funk ins Internet einloggen kann.

Von Klaus Eppele

Der Siegeszug der Funknetzwerke begann, nachdem das Institute of Electrical and Electronics Engineers im Oktober 1999 den IEEE-Standard 802.11b verabschiedet hatte und die mögliche Übertragungsrate in WLANs von etwa 2 Mbit/s auf 11 Mbit/s erweitert wurde. Damit war das mit dem Ethernet kompatible Datenübertragungsverfahren leistungsfähig genug, um Büros und Fabrikhallen zu vernetzen. Egal, welche Studie von welchem Marktforschungsinstitut man zurzeit heranzieht, überall zeigt der Pfeil bei den WLAN-Absätzen steil nach oben. Nach Dell´Oro Group beispielsweise stieg die Zahl der weltweiten WLAN-Anwender allein im vierten Quartal 2001 um 21 Prozent. Und nach Angaben von Frost & Sullivan lag der europaweite Umsatz von WLAN-Produkten im Jahr 2001 immerhin bereits bei 260,75 Millionen US-Dollar.

das ORiNOCO 5GHz Kit für den Dual Slot ORiNOCO AP-2000 Access Point von Proxim Bild 1: Produktbeispiel. Das Foto zeigt das ORiNOCO 5GHz Kit für den Dual Slot ORiNOCO AP-2000 Access Point von Proxim, der in Deutschland von der LWP GmbH (www.lwp.de ) vertrieben wird. (Foto: Proxim)

 

 

Die Ursache dieses Erfolgs liegt in der scheinbaren Einfachheit der WLAN-Technologie. Jeder darf Funknetze nach IEEE 802.11b installieren, da diese bei 2,4 GHz im lizenz, zulassungs- und gebührenfreien ISM-Band (Industrie, Science, Medical) arbeiten. Das nötige Equipment ist verhältnismäßig preiswert. Ein Access-Point, über den die Funkkarten Zugang zum Netz erhalten, ist bereits unter 200 Euro zu haben. Und die Installation kleinerer Netzwerke gestaltet sich relativ unproblematisch.

Aufwendiger wird die Sache jedoch, wenn man nicht nur ein kleines Außenbüro mit ein paar Mitarbeitern per Funk vernetzen will, sondern ein komplettes Bürogebäude oder eine Fabrikhalle mit WLAN-Technik versorgt werden sollen. Hier ist vor der Installation eine sorgfältige Netzplanung von Nöten. Auf der Basis einer Funkausmessung muss man mehrere Access-Points so im Gebäude platzieren, dass alle relevanten Bereiche ausgeleuchtet werden, ohne dass sich die verschiedenen Funkzellen gravierend überlappen und ohne dass sich Funkzellen in Bereiche außerhalb des Firmengeländes erstrecken, an denen unberechtigte Personen den firmeninternen Funkverkehr abgreifen könnten (siehe auch Bild 2).

WLAN Ausleuchtung einer Produktionshalle 

Bild 2: Ausleuchtung einer etwa 10.000 qm großen Produktionshalle durch WLAN-Funkkomponenten. Gegebene Hindernisse, wie Mauern oder Hochregale müssen bei der Funkfeldplanung berücksichtigt werden. Funkzellen gleicher Frequenz dürfen sich nicht überlappen. Die Access Points (AP) werden untereinander mit klassischen Verkabelungssystemen (Kupfer oder Glasfaser) verbunden. (Grafik: improve)

Bei der Realisierung solcher Lösungen wird schnell klar, dass das Funk-LAN in keiner Weise, die traditionelle Kupfer- oder Glasfaserverkabelung ablösen wird. Vielmehr werden bei einer Umstellung auf WLAN oftmals noch zusätzliche Leitungen benötigt, um die neuen Access-Points ins Netzwerk integrieren zu können. Der Grund dafür liegt in der für professionelle Anwendungen zu geringen Bandbreite der Funknetze. Gerade in modernen Büro- und Produktionsumgebungen geht der Trend mittlerweile in Richtung Ethernet mit 1 Gbit/s. Zur Verbindung der Access-Points untereinander und zur Anbindung leistungsfähiger Server wird nach wie vor ein kabelgebundenes Backbone nötig sein, das neben der höheren Bandbreite auch eine größere Stabilität und Verfügbarkeit garantiert, als dies Funknetze tun. Die Funktechnik ergänzt dieses Rückgrat jedoch in idealer Weise und sorgt für mehr Mobilität und damit auch größere Produktivität der Mitarbeiter, die sich an jeder Stelle mit ihrem Notebook oder ihrem PDA (Personal Digital Assistant) ins Netzwerk einwählen und arbeiten können.

Von elf auf 54 Mbit/s

WLANs nach IEEE 802.11b stellen eine Bruttodatenrate von maximal 11 Mbit/s zur Verfügung. Diese Bandbreite müssen sich alle Nutzer einer Funkzelle teilen. Außerdem kann sich die Datenrate durch Störungen und Interferenzen auf 5,5 Mbit/s, 2 Mbit/s oder gar 1 Mbit/s reduzieren (Fallback). Wer höhere Bandbreiten benötigt, war bislang auf herstellerspezifische Lösungen angewiesen. Deshalb ist es erfreulich, dass seit kurzem mit IEEE 802.11a und IEEE 802.11g zwei Verfahren zur Verfügung stehen, die eine WLAN-Bruttodatenrate von jeweils 54 Mbit/s ermöglichen.

IEEE 802.11a wurde bereits zeitgleich mit IEEE 802.11b im Jahre 1999 spezifiziert. Diese Technologie war aber in Deutschland bisher nicht zugelassen, da sie nicht im frei verfügbaren 2,4-GHz-Band, sondern im 5-GHz-Bereich arbeitet: Einem Frequenzbereich, der in Deutschland bisher exklusiv den Radargeräten des Militärs, Satellitenübertragungssystemen u.a. gewidmet war. Um den Markt für schnelle WLANs in Europa in Gang zu bringen, hat die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) Ende des letzen Jahres eine neue Regelung zur Nutzung des 5-GHz-Frequenzbereichs getroffen, welche die bestehenden Bestimmungen durch eine Sonderregelung erweitert und IEEE 802.11a-Systeme in Deutschland innerhalb fest definierter Frequenzbänder und mit einer maximalen Sendeleistung von 200 mW zulässt.

Der Nachteil ist, dass 802.11b und 802.11a nicht kompatibel sind. Ein bestehendes 802.11b-Netzwerk lässt sich also nur schwer zu 802.11a migrieren, obwohl einige Hersteller inzwischen Gateways und Access-Points anbieten, die beide Technologien unterstützen. Einfacher wird die Migration bestehender WLANs zu 54 Mbit/s mit der neuen IEEE 802.11g-Spezifikation vonstatten gehen, da diese auch im 2,4 GHz-Band kommuniziert. Die höhere Datenrate erreicht 802.11g mittels besserer Modulationstechniken. Bestimmte Protokolle sorgen dafür, dass zwischen dem 802.11b-Modulationsverfahren CCK (Complementary Code Keying) und dem in 802.11g genutzten Verfahren OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplexing) „umgeschaltet“ werden kann. IEEE 802.11g ist somit rückwärtskompatibel zu IEEE 802.11b.  Der Nachteil ist allerdings, dass mit 802.11g das bereits sehr ausgereizte 2,4-GHz-Band noch mehr strapaziert wird. Es besteht die Gefahr, dass Interferenzen zwischen Wireless LANs und anderen Geräten auftreten, die sich ebenfalls im 2,4-GHz-Bereich tummeln. Hierzu gehören neben den Schnurlostelefonen und der Kurzstrecken-Funktechnik Bluetooth auch die Mikrowellenherde, die für erhebliche Störungen im 2,4-GHz-Band sorgen.

Luftbrücken sparen Geld

Die maximale Reichweite einer Funklösung hängt neben der Sendefrequenz und der Bandbreite vor allem von den räumlichen Gegebenheiten ab (siehe auch Bild 3). Es ist klar, dass man in Großraumbüros bessere Werte erzielen kann, als in Unternehmen, in denen Einzelbüros mit Stahlbetonwänden voneinander getrennt sind. Bezüglich der maximalen Entfernungen kann man die WLAN-Technologie aber nur im Outdoor-Bereich richtig ausreizen. Hier kann auch der wirtschaftliche Vorteil besonders hoch sein, wenn man angemietete Standleitungen gegen Wireless LANs ersetzt und die Netzwerke verschiedener Gebäude per Funk miteinander verbindet. Verschiedene Hersteller haben sich auf dieses Marktsegment spezialisiert. Sie bieten Lösungen an, die je nach gewünschter Bandbreite bis zu 700 Meter, mit Aktivantennen bis zu fünf Kilometern und mit proprietären Techniken sogar bis zu 20 Kilometer überbrücken können.

Die Reichweite von IEEE 802.11b-WLANs 

Bild 3: Die maximale Reichweite ist abhängig von der Datenrate. Das Schaubild zeigt, wie sich die Datenrate in Abhängigkeit der Ausdehnung (Indoor / Outdoor) bei einem IEEE 802.11b-WLAN verändert. (Grafik: improve)

Und was ist mit der Sicherheit?

Trotz der offensichtlichen Vorteile wie Mobilität und Flexibilität gibt es Vorbehalte gegen Wireless LANs. Denn wenn es um die Sicherheit geht, scheinen solche Netze die Hacker geradezu einzuladen. Im Gegensatz zu kabelgebundenen Netzwerken lässt sich ein WLAN räumlich nur schlecht eingrenzen. Jeder, der sich innerhalb der Reichweite eines Access-Points aufhält, kann auf das Netzwerk zugreifen. Dazu muss er sich unter Umständen nicht einmal auf dem entsprechenden Firmengelände befinden, da die Funkwellen oft auch über die Unternehmensgrenzen hinweg abstrahlen. Damit firmeninterne Daten nicht von Unbefugten mitgehört werden können, muss das Funknetzwerk entsprechend gesichert werden.

Viele WLANs werden jedoch gänzlich ungeschützt betrieben. Die Netzwerkverantwortlichen sollten  zumindest die standardmäßig vorhandene WEP-Verschlüsselung (Wired Equivalent Privacy) aktivieren. Auch wenn dieses Verfahren bereits vor längerer Zeit schon geknackt wurde, so erschwert es ungebetenen Gästen doch die Arbeit, da ein relativ großes Datenvolumen abgehört werden muss, um den WEP-Schlüssel rekonstruieren zu können. Zusätzliche Sicherheit bringt die Verwendung von Netzwerknamen (SSID = Service Set Identifer), die der Strukturierung mehrerer Netzwerke und der Zugangskontrolle dienen. Ferner bieten die Access-Points die Option, die weltweit eindeutigen MAC-Adressen (Media Access Control) der WLAN-Karten zu überprüfen. Unbekannte Netzwerkkarten werden somit abgewiesen: Ein effektives Verfahren, das allerdings für den Netzwerkadministrator einen erheblichen Mehraufwand bedeutet, da er die Funkkarte jedes Mitarbeiters eigens freischalten und verwalten muss. Außerdem sollte man den Ad-hoc-Modus der Funkkarten deaktivieren, der es zwei Funkkarten erlaubt, direkt miteinander in Kontakt zu treten, ohne auf den Access-Point zugreifen zu müssen. Denn über den Ad-hoc-Modus könnte ein fremdes Notebook auch in einem geschützten Netzwerk auf Informationen zugreifen, indem es direkt mit einem anderen Rechner kommuniziert. Weitere Schritte auf dem Weg zu mehr Sicherheit im WLAN sind außerdem die Einrichtung eines Radius-Servers (Remote Authentication Dial In User Service), der die Passwörter aller Benutzer prüft, der Aufbau eines Virtuellen Privaten Netzwerks (VPN, siehe auch Computern im Handwerk 11-12/2000) und die Installation einer Firewall zwischen WLAN und LAN.

Autor

Der Autor Dipl. Inform. Klaus Eppele ist Inhaber der Firma improve marketing-training-consulting, Karlsruhe, www.improve-mtc.de.

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Erscheint in der CIH 05/03.